Aventin Blog: Stolz
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Montag, 1. August 2016

Wie der Esel mit dem Löwen jagen ging | Fabel von Lessing


Als der Esel mit dem Löwen des Äsop, der ihn anstatt seines Jägerhorns brauchte, frühmorgens in den Wald zum Jagen ging, begegnete ihm ein anderer Esel von seiner Bekanntschaft und rief ihm freundlich zu: "Guten Tag, mein Bruder!"

"Unverschämter!" war die Antwort. 

"Und warum das?" fuhr jener Esel fort. "Bist du deswegen, weil du mit einem Löwen unterwegs bist, besser als ich und mehr als ein Esel?"

Lehre:
Hochmut ist der zur Schau getragene Stolz. Echter Stolz verbirgt sich. (Ernst Hohenemser)







Freitag, 13. Mai 2016

Die Menschen haben den Himmel vergessen | Gedanken von Emmrich


Keine einzige Entdeckung hat die Welt des Mittelalters so sehr erschüttert wie die Entdeckung der Tatsache, dass die Erde eine Kugel sei. Die Kardinäle, die den Galilei verbrennen wollten, hatten entschieden ein richtiges Gefühl dafür, wie gefährlich die Wissenschaft dieses Mannes wäre. -- Sie haben ihn nicht verbrannt. Dafür ist die Welt des Mittelalters in Flammen aufgegangen. 

Unterdessen haben die Astronomen Millionen von neuen Sternen entdeckt, unter denen sich möglicherweise einige Dutzend bewohnte Welten befinden. Die Wirkung dieser Entdeckung auf die menschliche Seele ist aber sehr merkwürdig. 

Auch früher war die Welt ein Jammertal. Immerhin lag sie vor den Toren des Paradieses. Das Wichtigste, was es auf ihr gab, war die unsterbliche menschliche Seele. Damals hätten die Leute wohl Grund zu einigem Stolz gehabt. Die Sonne stand am Mittag zu ihren Häupten, und der Mensch war der Mittelpunkt des Kosmos und die Leute waren bescheiden, dankten Gott und dachten an den Himmel. 

Heute, wo wir zu wissen glauben, dass wir lächerliche Mikroben in einer unfassbaren Unendlichkeit sind, haben wir den Himmel vergessen und sind hochmütig geworden. Wir haben allen Respekt vor den irdischen Gegebenheiten verloren und hantieren mit der Welt, als ob sie ein Spielzeug zu unserem Vergnügen wäre. 

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Montag, 26. Oktober 2015

Der Pfau und die Dohle • Fabel von Aesop


Ein Pfau und eine Dohle stritten sich um die Vorzüge ihrer Eigenschaften. Der Pfau brüstete sich mit dem Glanz, der Farbe und der Größe seiner Federn. 

Die Dohle gab all dieses zu und bemerkte nur, dass alle diese Schönheiten zur Hauptsache nicht viel taugten - nämlich zum Fliegen. Dann flog sie behende auf und der Pfau blieb beschämt auf dem Boden der Erde zurück. 

Lehre: Sei nicht stolz auf nur äußerliche Vorzüge, sie sind nicht alles.




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Montag, 1. Juni 2015

Nibelungen Sage 28/28 | Wie Gunther, Hagen und Kriemhild endeten

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Da ging Herr Dietrich selbst zur Rüstkammer und waffnete sich. Hildebrand half ihm die Brünne anlegen und reichte ihm Schwert und Schild. Dann geleitete er seinen Herrn zum Saal der Burgunden.

Gunther und Hagen sahen die beiden kommen. "Da naht der Berner", sagte der Tronjer, "nun wird es sich erweisen, wer der Beste im Kampf ist. Ich getraue mir wohl, ihn zu bestehen."

Der Gotenkönig trat heran und stieß den Schild auf. "Meine Mannen habt ihr erschlagen. Jetzt fordere ich als Sühne, dass ihr euch als Geiseln in meine Hand begebt. Kein Hunne wird dann Gewalt über euch haben."

"Das wird nicht geschehen", antwortete sogleich Hagen, "nie soll man von den Burgunden sagen, dass sie sich mit dem Schwert in der Hand feige ergeben haben."

Kein Zureden Dietrichs und Hildebrands half. Stolz lehnten die beiden Burgundenrecken sogar sicheres Geleit in die Heimat ab, das der Gotenkönig ihnen bot. Wieder mussten die Waffen entscheiden, zum letzten Mal.

Der Berner nahm den Schild hoch und drang auf Hagen ein. Balmung, das Nibelungenschwert, blieb nicht müßig in des Tronjers Hand. Dicht schmetterten seine Hiebe auf des Gegners Schild und Helm, doch was vermochte ein müder Arm gegen die gewaltige und frische Kraft des Gotenhelden? Dietrich schlug dem Burgunden eine tiefe Wunde. Dann ließ er den Schild fallen, sprang auf den Wankenden zu und rang mit ihm, bis der Tronjer gebunden in seiner Hand lag. So führte er ihn vor Kriemhild, deren Augen aufleuchteten in grimmiger Freude. Wie hatte sie diesen Augenblick ersehnt!

Bald stand auch Gunther, der letzte der Burgunden, von Dietrich in hartem Kampf bezwungen, gebunden vor der Königin. Spottend grüßte sie ihn: "Seid mir willkommen, König Gunther! Wie freue ich mich, Euch hier vor mir zu sehen!"

Da bat Dietrich für die Gefangenen: "So edle Helden habt Ihr noch nie als Geiseln gehabt, Frau Königin. Schont ihr Leben, ich bitte Euch in alter Freundschaft."

"Gern tue ich, was ich vermag", erwiderte kalt Kriemhild und ließ die beiden gesondert in den Kerker führen. Traurig wandte der Berner sich ab. Er ahnte, dass die Königin schreckliche Rache sann.

Nicht lange währte es, da trat Kriemhild in Hagens Kerker. In unverhohlener Feindseligkeit sprach sie: "Wenn Ihr mir den Nibelungenhort zurückgebt, Hagen von Tronje, so sollt Ihr das Leben behalten und an den Rhein zurückkehren dürfen."

Verächtlich erwiderte Hagen: "Das sind müßige Worte! Mein Eid bindet mich. So lange einer meiner Herren lebt, darf ich den Ort nicht nennen, wo der Hort verborgen ist."

Da fasste Kriemhild einen furchtbaren Entschluss. Sie ließ ihrem Bruder das Haupt abschlagen und trug es selbst an den Haaren in Hagens Kerker. In wildem Grimm lachte der Tronjer auf, als er das blutige Haupt seines Herrn erblickte, und voll Hohn schleuderte der Kriemhild die Worte entgegen: "So habe ich es mir gedacht: Giselher und Gernot sind tot, und nun ist auch Gunther nicht mehr! Jetzt weiß niemand als Gott und ich allein um den Hort. Dir, du Teufelin, soll er nun für immer verborgen sein!"

"So bleibt mir denn nichts als Siegfrieds Schwert", rief sie in wildem Hass, riss Balmung von des Tronjers Seite und trennte ihm mit einem einzigen Hieb den Kopf vom Rumpf.

Entsetzen ergriff die beiden Berner ob der grausigen Tat. Selbst König Etzel klagte: "Da liegt er, in Fesseln erschlagen, der Erste aller Recken! So feind ich ihm war, solches Ende geht mir nahe!" Und der alte Hildebrand rief: "Er brachte mich in große Not, der schreckliche Tronjer, aber seinen schimpflichen Tod will ich doch rächen!" In grimmigem Zorn griff er nach seinem Schwert und streckte Kriemhild tot neben Hagen hin.

Da lagen sie beide in ihrem Blut, die einander tödlichen Hass im Herzen getragen hatten, und tot lagen sie alle, die herrlichen Helden, die in König Etzels Saal beisammen gesessen hatten: die Burgundenfürsten, die kühnen Streiter Iring und Irnfried, Wolfhart, der junge Degen, und der edle Rüdiger von Bechlaren, und mit ihnen lagen da die Scharen ihrer Getreuen.

So endete in Jammer und Leid das Sonnwendfest im Hunnenland.










Dienstag, 19. Mai 2015

Der stolze Schmetterling und die Raupe • Fabel aus Afrika

Foto piqs.de tanakawho
Ein wunderschöner Schmetterling flatterte auf eine duftende Blume zu; da bemerkte er eine hässliche Raupe, die im Staub dahin kroch. Verächtlich rief der Schmetterling ihr zu: "Wie darfst du es wagen, dich in meiner Nähe sehen zu lassen? Fort mit dir! Sieh, ich bin schön und strahlend wie die Sonne, und meine Schwingen tragen mich hoch in die Lüfte, während du auf der Erde umher kriechst. Fort mit dir, wir haben nichts miteinander zu schaffen!" 

"Dein Stolz, du bunter Schmetterling, steht dir schlecht an", erwiderte die Raupe ruhig. "All deine Farbenpracht gibt dir nicht das Recht, mich zu verachten. Wir sind und bleiben Verwandte, so schmähst du dich also selbst. Bist du nicht früher eine Raupe gewesen? Und werden deine Kinder nicht Raupen sein wie du und ich?"

Empört wegen dieser 'Unterstellung' flog der Schmetterling wütend davon …


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Donnerstag, 19. März 2015

Über die Verantwortung bei der Erziehung • Novelle aus dem Maghreb

Es versteht sich, dass in Maghrebinien, wo so gründliches Augenmerk auf die Bildung der Jugend geworfen wird, ein edler Wettstreit zwischen den Vätern herrsche: jeder nämlich wünscht seinem Sohn die beste und umfassendste der Erziehungen angedeihen zu lassen. 

So berichtet man von einem Mann, dem ein Sohn geboren worden war. Voll Stolz und voll von dem Bewusstsein der Verantwortung, die nunmehr auf ihm lastete, begab er sich in seinen Garten und schritt grübelnd auf und ab, beständig überlegend, welches die allerbeste und umfassendste der Erziehungen wäre, die er seinem Nachkommen geben könnte. So schritt er Stunde um Stunde und Tag um Tag in seinem Garten auf und ab, und eines Tages trat ein junger Mensch an ihn heran und klopfte ihm auf die Schulter -: Es war sein Sohn, der inzwischen zum Manne herangewachsen war.



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Dienstag, 10. März 2015

Vom Fuchs und vom Esel im Löwenfell • Fabel von Aesop

Ein Esel warf einmal ein Löwenfell um sich her, lustwandelte mit stolzen Schritten im Wald und schrie sein 'IA IA' aus allen Kräften, um die andern Tiere in Schrecken zu setzen. Alle erschraken, nur der Fuchs nicht. Dieser trat keck vor ihn hin und höhnte ihn: "Mein Lieber, auch ich würde vor dir erschrecken, wenn ich dich nicht an deinem 'IA' erkannt hätte. Ein Esel bist und bleibst du!" 

Mancher Einfältige in prächtigem Gewande würde mehr gelten, wenn er schwiege, denn: Mit Schweigen sich niemand verrät.



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Montag, 19. März 2012

Der Löwe und die Mücke | Stolz | Fabel von Aesop


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Eine Mücke forderte mit den übermütigsten Worten einen Löwen zum Zweikampf heraus: "Ich fürchte dich nicht, du großes Ungeheuer", rief sie ihm zu, "weil du gar keine Vorzüge vor mir hast; oder nenne sie mir, wenn du solche zu haben glaubst; etwa die, dass du deinen Raub mit Krallen zerreißt und mit Zähnen zermalmst? Jedes andere feige Tier, wenn es mit einem Tapferen kämpft, tut dasselbe, es beißt und kratzt. Du sollst aber empfinden, dass ich stärker bin als du!" Mit diesen Worten flog sie in eines seiner Nasenlöcher und stach ihn so sehr, dass er sich vor Schmerz selbst zerfleischte und sich für überwunden erklärte.

Stolz auf diesen Sieg flog nun die Mücke davon, um in alle Welt hinaus zu posaunen, wie stark sie sei. Dabei übersah sie aber das Gewebe einer Spinne und verfing sich in demselben. Gierig umarmte sie die Spinne und sog ihr das Heldenblut aus. Sterbend empfand die Mücke ihre Nichtigkeit, indem sie, die Siegerin über den Löwen, einem so verächtlichen Tier, einer Spinne, erlag.

Lehre:
Hochmut kommt vor dem Fall.







Sonntag, 16. Oktober 2011

Der Rabe und der Fuchs | Schmeichelei | Fabel von Phaedrus

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An einem Morgen saß ein Rabe mit einem gestohlenen Stück Käse im Schnabel auf einem Ast, wo er in Ruhe seine Beute verzehren wollte. Zufrieden krächzte der Rabe über seinen Käse. 

Dies hörte ein vorbei ziehender Fuchs. Er dachte nach, wie er an den Käse kommen könnte. Endlich hatte er eine hinterlistige Idee. Freundlich begann der Fuchs den Raben zu loben: „Oh Rabe, was bist du für ein wunderbarer Vogel! Wenn dein Gesang ebenso schön ist wie dein Gefieder, dann sollte man dich zum König aller Vögel krönen!“ 

Das schmeichelte dem Raben und das Herz schlug ihm vor Freude höher. Stolz riss er seinen Schnabel auf und begann zu krächzen. Dabei entfiel ihm das köstliche Stück Käse. Darauf hatte der Fuchs nur gewartet. Schnell schnappte er sich die Beute und machte sich gleich ans Fressen. Da rief der Rabe empört: „He, das war gemein!“ Doch der Fuchs lachte nur über den törichten Raben.

Lehre:
Hüte dich vor Schmeichlern und anderen Verführern, die nur ihren eigenen Vorteil im Sinn haben.








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