Aventin Blog: Kampf
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Montag, 30. November 2015

Der Löwe, der Bär und der Fuchs • Streit • Fabel von Aesop

Ein Fuchs war einmal auf Jagd gegangen, einen guten Bissen zu erbeuten. Er war noch nicht lange unterwegs, als er ein lautes Streiten vernahm. Ein Bär schlug mit seinen Tatzen nach einem Löwen und fauchte ihn wütend an: "Ich war der erste beim Lamm. Die Beute gehört mir, ich habe das Tier gefangen." "Nein!" brüllte der Löwe zornig zurück. "Du lügst! Ich war als erster hier, und darum gehört die Beute mir." Er wehrte sich kräftig und schnappte mit seinen scharfen Zähnen nach dem Fell des Bären. 

Der Löwe und der Bär kämpften verbissen miteinander. Dem Fuchs erschien der Kampf endlos zu sein. Nicht weit entfernt lag die Streitbeute achtlos am Boden und er musste sich zusammenreißen, dass er sich nicht gleich auf das tote Lamm stürzte. Aber er war klug und sagte sich: "Sind die Streitenden erst erschöpft, dann können sie mir nichts mehr anhaben." 

Als der Bär und der Löwe nach unerbittlichem Kampf endlich kraftlos zusammenbrachen, waren sie tatsächlich nicht mehr fähig, sich zu rühren. Der Fuchs schritt nun furchtlos an ihnen vorbei und holte sich gefahrlos das gute Stück. Er verneigte sich noch höflich und sagte: "Danke, meine Herren, sehr freundlich, wirklich sehr freundlich!" Lachend zog er mit seinem guten Beutestück ab.

Lehre:
Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.






Donnerstag, 3. September 2015

Der alte Indianer und die Wölfe • Allegorische Weisheit

Ein alter Indianer erzählte seinem Enkel von einer großen Tragödie und wie sie ihn nach vielen Jahren immer noch beschäftige. „Was fühlst du, wenn du heute darüber sprichst?“ fragte der Enkel. Der Alte antwortete: „Es ist als ob zwei Wölfe in meinem Herzen kämpfen. Der eine Wolf ist wütend und zornig. Der andere ist großmütig und liebevoll.“ Der Enkel fragte: „Welcher Wolf wird den Kampf in deinem Herzen gewinnen?“ „Der Wolf, den ich füttere!“ sprach der Alte.








Mittwoch, 24. Juni 2015

Nibelungen Sage 5/28 | Wie Siegfried mit den Sachsen und Dänen stritt


Eines Tages ritten Boten des Sachsenkönigs Lüdeger und des Königs Lüdegast vom Dänenland in Worms ein und sagten den Burgunden Krieg an. Binnen zwölf Wochen wollten die feindlichen Könige mit Heeresmacht am Rhein sein und die Burgen brechen, falls die Burgunden nicht bereit seinen, um Frieden zu verhandeln. Voll Sorge berief Gunther seine Brüder und seine Getreuen zur Beratung. Gernot war sogleich für den Kampf: die Ehre lasse keine andere Wahl. Hagen dagegen mahnte zur Vorsicht: "Wir können in so kurzer Zeit nicht unser ganzes Aufgebot an den Feind bringen. Deshalb schlage ich vor, uns die Hilfe Siegfrieds zu sichern, ehe wir den Boten eine Antwort geben."

Siegfried ließ sich nicht zweimal bitten. Er reichte Gunther die Hand: "Gebt mir nur tausend Mann, dann wird es keinem Feind gelingen, Euer Land zu verheeren, und rückte er auch mit dreißigtausend Gewappneten heran!"

Da dankte ihm Gunther frohen Herzens und entließ die fremden Boten mit der Antwort: "Wir sind bereit, die beiden Könige mit Waffen zu empfangen, falls ihnen die Heerfahrt ins Burgundenland nicht noch leid werden sollte!"

Nach Rückkehr der Boten zogen Lüdeger und Lüdegast sogleich mit vierzigtausend Mann zu Felde. Doch auch die Burgunden säumten nicht. Siegfried und Hagen führten ihre Kampfschar über den Rhein, und Volker, der kühne Spielmann, trug die Fahne. Gunther aber blieb auf Siegfrieds Rat daheim in Worms.

Das gab ein rasches Reiten durch den Hessengau bis an die Grenze des Sachsenlandes. Dort ließ Siegfried die Streitmacht in der Obhut Hagens und Gernots zurück und ritt allein auf Kundschaft in die feindliche Mark. Bald traf er auf einen Späher, der dem Heer der Gegner voraus ritt. Einen goldenen Schild trug er an der Linken. Es war Lüdegast, der Dänenkönig.

Kaum hatten die Helden einander erblickt, so spornten sie die Rosse zu ritterlichem Kampf. Die Lanzen zerspellten an den Schilden, aber keiner wankte im Sattel. Nun zogen sie die Schwerter, und dicht stoben die roten Funken aus Helmen und Schilden. So tapfer Lüdegast auch stritt, Siegfried schlug ihm drei tiefen Wunden, und besiegt gab sich der Dänenkönig schließlich in Siegfrieds Hand. Auch dreißig Dänenrecken, die ihm zur Hilfe heransprengten, vermochten sein Los nicht zu wenden. Mann für Mann fielen sie bis auf einen; den ließ Siegfried entkommen, dass er mit zerhauenem und blutigem Helm die schlimme Kunde ins Dänenlager bringen konnte.

Lauter Jubel erhob sich, als Siegfried mit dem gefangenen Dänenkönig bei den Burgunden eintraf. Sogleich wurde der Aufbruch befohlen, und hochgemut trug Volker die Heerfahne voran. Nicht lange brauchten sie zu reiten, da hatten sie vor sich die reisigen Scharen der Sachsen und Dänen. Die Schlacht hub an. Lanzen und Schwerter machten sich an ihr blutiges Werk. Waren die Burgunden auch an Zahl weit unterlegen, Hagen und Volker, Gernot und Ortwin und Dankwart ließen sich nicht schrecken. Durch das wildeste Kampfgetümmel brachen sie sich mit schmetternden Schwerthieben Bahn. Am weitesten aber drang Siegfried mit seinen zwölf Getreuen vor, dorthin, wo Lüdeger, der Sachsenkönig, unter den Seinen hielt. Der stritt ingrimmig, um den Waffenbruder aus dem Nordlande zu rächen; als er aber das Wappenzeichen auf Siegfrieds Schild erkannte, gebot er dem Kampf Einhalt und ließ die Fahne senken: gegen einen solchen Gegner vermochte niemand aufzukommen.

Der Friede wurde den Sachsen und Dänen gewährt, aber die beiden Könige und fünfhundert Mann mussten den Burgunden als Gefangene an den Rhein folgen. Siegesboten eilten dem heimkehrenden Heer voraus. Gernot hatte sie abgesandt, den stolzen Ausgang des Heerzuges in Worms zu melden. Einen von ihnen ließ Kriemhild heimlich zu sich kommen, und sie vernahm, dass Siegfried am herrlichsten von allen gestritten und mit eigener Hand die beiden Könige bezwungen hatte. Mit reichen Geschenken entließ sie den Boten, ihre Freude verschloss sie tief im Herzen. 

Eine frohe Menge säumte die Straßen, als die Sieger mit ihren Gefangenen in Worms einzogen. Auch mancher Kampfverwundete war dabei, und manches Schwert war schartig, mancher Helm und Schild zerhauen. König Gunther bot seinen Getreuen Willkommen und Dank, auch die beiden Könige grüßte er und reichte ihnen die Hand. Frei durften sie umher gehen, nachdem sie gelobt hatten, nicht heimlich aus dem Burgundenland zu entweichen.

Nach sechs Wochen aber sollte vor den Toren der Stadt am Rheinstrand ein Siegesfest gefeiert werden. So hatte König Gunther auf Gernots Vorschlag hin beschlossen. Manch kampfmüder Recke nahm Urlaub bis zu diesem Tag, um daheim seine Wunden zu pflegen. Auch Siegfried kam das Verlangen an, nach Hause zu ziehen, und selbst Gunthers inständige Bitten hätten nicht vermocht, ihn zu halten, wäre nicht der Gedanke an Kriemhild, die Holdselige, gewesen. So blieb er denn mit seinen Gefährten in Worms.

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Mittwoch, 17. Juni 2015

Nibelungen Sage 12/28 | Wie Siegfried verraten wurde


Die Schmach, die Kriemhild ihr angetan hatte, brannte in Brunhilds Herzen. Weinend saß sie den ganzen Tag in ihrer Kemenate und sann auf Rache. Da ging Hagen zu ihr und fragte nach der Ursache ihres Kummers. Sie verbarg ihm ihre Gedanken und Wünsche nicht, und Hagen nahm ihre Hand: "Ich gelobe es Euch mit meinem Wort, Herrin, dass Siegfried für seine Freveltat büßen soll. Niemand wird mich wieder fröhlich sehen, ehe dieser Schwur eingelöst ist."

Auch Gernot und Ortwin, die unterdessen hinzugekommen waren, stimmten für Siegfrieds Tod. Giselher aber, der den beiden folgte, riet ab von solcher Tat: "Warum wollt ihr Siegfried ans Leben? Er verdient nicht unseren Hass. Frauen streiten oft um nichtige Dinge." Doch Hagen widersprach ihm in seinem starren Sinn: "Lieber will ich sterben, als dass diese Schande ungerächt bleibt."

König Gunther hielt sich vorerst zurück, als er von des Tronjers Absicht hörte. "Weshalb sollte ich Hass hegen gegen Siegfried?" sagte er. "Er war uns stets ein treuer Freund, und wir haben nur Liebes und Gutes von ihm erfahren. Sein Tod ist für uns kein Gewinn." Aber Hagen ließ nicht ab, auf seinen Herrn einzureden. "Denkt daran, wie viele Länder Euer eigen sind, wenn Siegfried nicht mehr lebt!" Mit solchen Worten brachte er Gunther schließlich dahin, dass er einwilligte in die Ermordung des Helden. Der Tronjer hatte auch schon einen tückischen Plan bereit: "Wir lassen Boten kommen, die uns zum Schein Krieg ansagen. Ihr bietet dann sogleich  Euren Heerbann auf, und Siegfried wird nicht zögern, mit in den Kampf zu ziehen. Ich aber werde Kriemhild das Geheimnis entlocken, wo ihr Mann verwundbar ist, und dann geht es ihm ans Leben."

So wurde es beschlossen, und so geschah es bald. Zweiunddreißig Boten erschienen eines Morgens bei Hof und sagten den Burgunden Fehde an. "Lüdeger und Lüdegast", erklärten sie Gunther, "ziehen mit gewaltiger Heeresmacht heran, um Vergeltung zu üben für das, was Ihr ihnen einst angetan habt."

Gunther zeigte sich bestürzt und zog die Freunde zu Rate. Siegfried aber trat hinzu und fragte: "Weshalb diese besorgten Mienen, König Gunther? Sinnt jemand Böses gegen Euch, so seid meiner Hilfe versichert." Da berichteten der König, Lüdeger und Lüdegast wollten das Burgundenland wieder mit Krieg überziehen, und sofort bot Siegfried ihm an: "Lasst mich mit meinen Mannen gegen sie reiten und ihnen Land und Burgen verheeren, wie es vormals geschah. Ihr aber mögt bis zur Grenze mitziehen, um Eure Mark zu schützen."

Gunther heuchelte Dank und verneigte sich tief vor Siegfried. Der aber ließ gleich seine Schar, Mann und Ross, zur Heerfahrt rüsten. Auch die Burgunden waffneten sich, und Hagen ging zur Kriemhild, als wollte er Abschied nehmen vor ihr. Er traf sie in großer Sorge um Siegfried an. "Wäre er nicht so ungestüm im Kampf", klagte sie dem Tronjer, "dann wäre mir leichter ums Herz. Du bist mein Verwandter, ich empfehle ihn deiner Treue und deinem Schutz."

"Welchen Schutz sollte Siegfried brauchen?" entgegnete Hagen. "Kein Schwert und kein Speer kann ihm doch etwas anhaben, das ist jedermann bekannt." Da gab Kriemhild im Glauben an Hagens Treue das Geheimnis preis: "Als Siegfried sich im Blut des Drachen badete, fiel ihm ein Lindenblatt zwischen die Schultern, und an dieser einzigen Stelle ist er verwundbar, dort musst du ihn schützen."

"Gern", versprach Hagen mit falschem Sinn, "wenn Ihr mir die Stelle durch ein Zeichen kenntlich macht." --- "So will ich mit Seide ein Kreuzchen auf sein Gewand nähen", erbot sich Kriemhild, "das zeigt dir die Stelle an, die des Schutzes bedarf."

Besser hätte Hagens tückische List nicht gelingen können. Wohlgemut ging er zu Gunther und sagte: "Von Kriemhild habe ich verfahren, was ich wissen wollte. Auf den Kriegszug können wir nun verzichten; ich rate Euch, statt dessen eine Jagd anzusagen."

Der König war damit einverstanden, und kaum war Siegfried, Kriemhilds Kreuz an der Schulter, am nächsten Morgen zur Heerfahrt ausgeritten, da ließ Hagen ihm Boten nacheilen und ausrichten: "Lüdeger und Lüdegast haben die Fehde abgesagt, sie wollen Frieden halten mit den Burgunden."

Ungern vernahm Siegfried diese Kunde und wandte sich mit seinen Recken zurück zum Rhein. Gunther empfing ihn mit heuchlerischem Dank: "Gott lohne es Euch, Herr Siegfried, dass Ihr uns Eure Hilfe nicht versagtet. Des Krieges sind wir nun ledig, aber dafür wollen wir morgen in der Frühe ausziehen zur Jagd auf Bären und Wildschweine im Odenwald. Ich bitte Euch von Herzen, unser Jagdgefährte zu sein."

Der Vorschlag war recht nach Siegfrieds Sinn, und frohgemut versprach er, mitzureiten zur Jagd in den Odenwald. 


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Mittwoch, 10. Juni 2015

Nibelungen Sage 19/28 | Wie die Burgunden zu den Hunnen fuhren


Mehr als tausend Ritter und neuntausend Knechte standen in Worms zur Fahrt an Etzels Hof bereit. Da träumte Frau Ute, alle Vögel lägen tot im Land, und sie riet, die Reise zu lassen. Doch Hagen antwortete: "Wer sich an Träume hält, geht leicht fehl. Unserer Ehre wegen können wir jetzt nicht mehr zurück." Vorher hatte er wohl anders gesprochen, aber als Gernot spottete: "Hagen scheut die Fahrt, weil er an Siegfried denkt", da blieb ihm keine andere Wahl.

Gunther übertrug dem wackeren Rumhold die Sorge für seine Getreuen als Vogt, damit Frauen und Kinder in guter Hut seien. Dann riefen die Hörner zum Aufbruch, die Fähnlein wurden erhoben, und frohen Mutes ging es zu Schiff über den Rhein. Drüben standen die Rosse schon gesattelt, und nicht lange währte der Abschied von den Frauen, die mit den Scheidenden über den Strom gefahren waren. Brunhild weinte, und mit ihr so manche, die dem reisigen Zug nachschaute. Nie sollten sie die hochgemuten Recken wiedersehen! 

In zwölf Tagen führte Hagen die Schar durch das Frankenland bis an die Donau. Der Strom war über die Ufer getreten und weit und breit kein Fährmann zu sehen. Da machte sich Hagen auf die Suche. Ein Schiff fand er nicht, wohl aber führte das Rauschen eines Gießbaches ihn zu einer Stelle, wo zwei Meerfrauen in der kühlen Flut badeten. Als sie den Fremden gewahrten, flüchteten sie erschreckt in den Strom hinaus und ließen ihre Kleider am Strand zurück. Der Tronjer wollte die Schwanenhemden als gute Beute davontragen, da rief ihm eine der Frauen zu: "Gebt Ihr uns das Gewand zurück, edler Herr, so sollt Ihr wissen, wie es Euch auf der Reise ins Hunnenland ergeht."

Wie zwei Wundervögel schwebten sie auf der Flut, und Hagen glaubte ihnen, dass sie mit Zauberkraft die Zukunft zu enthüllen vermöchten. So versprach er, nach ihrem Wunsch zu tun, und erhielt den Bescheid: "Guten Mutes mögt ihr in Etzels Land reiten. Nie gingen Helden so großen Ehren entgegen, wie sie euch allen am Hunnenhof zuteil werden."

Erfreut gab Hagen ihnen die Gewänder zurück. Kaum hatten sie aber die Schwanenhemden übergestreift, da ließ sich die andere Meerfrau vernehmen: "Ich will dich warnen, Hagen! Der Kleider wegen hat meine Muhme dich getäuscht. Tod und Verderben erwarten euch im Hunnenland. Nur des Königs Kaplan wird die Heimat wiedersehen, wenn ihr nicht umkehrt. Noch ist dazu Zeit, ich rate es euch gut!"

In grimmigem Zorn erwiderte Hagen: "Verhöhnen würde man mich, wenn ich meinen Herren und allen Gefährten den Tod an Etzels Hof kündete! Sag mir lieber, wie wir über das Wasser kommen!"

"Drüben am anderen Ufer, eine Strecke flußaufwärts, wohnt der einzige Fährmann", beschied sie ihn, "ihn musst du rufen, wenn ihr nicht lassen wollt von der Reise; aber bitte ihn freundlich und versprich ihm guten Lohn, denn er ist Gelfrats Mann, des Herrn im Bayernland, und dessen Bruders Else, und er ist ein gar ungefüger Geselle."

Hagen rief ihr Dank zu und schritt das Ufer entlang, bis er drüben das Fährhaus erblickte. Mit dem Schwert hub er eine Goldspange hoch und ließ laut die Stimme über das Wasser schallen: "Hol über, Ferge! Reichen Lohn biete ich dir!" Da ließ der Fährmann das Boot vom Strand und kam herüber. Doch als er den fremden Recken erblickte, wurde ihm die Sache leid, und er verweigerte die Überfahrt. "Viel Feinde hat mein Herr, und kein Fremder darf in sein Land", fuhr er den Tronjer an, der sogleich den Fuß an Bord gesetzt hatte, und forderte ihn auf, wieder auszusteigen. Das war jedoch nicht nach Hagens Sinn, und auf der Stelle kam es zum Streit zwischen den beiden. Ingrimmig schlug der Fährmann seine Ruderstange auf Hagens Haupt, dass sie zersprang, aber da zog der Tronjer sein Schwert, fällte den Tobenden mit tödlichem Streich und stieß den Leichnam in die Wogen. Mit dem Schildriemen band er dann die zerbrochene Ruderstange wieder zusammen und lenkte das Boot stromab zu den Gefährten, die am Strand auf ihn warteten.

Den ganzen Tag über war er nun selbst als Fährmann tätig und brachte die Ritter und ihre Waffen sicher über die Flut, während die Rosse nebenher schwammen. Hin und her ging die Wasserfahrt, bis er plötzlich den Kaplan König Gunthers im Schiff bemerkte. Da kamen ihm die Worte der Meerfrau in den Sinn, und ehe jemand ihn zurückhalten konnte, hatte er den erschrockenen Priester über Bord gestürzt. Den Tod hatte der grimme Tronjer dem Unglücklichen zugedacht, um die Weissagung der Meerfrau zuschanden zu machen, und unbarmherzig stieß er ihn wieder ins Wasser zurück, als er nach der rettenden Planke griff. Da wandte der Kaplan sich um und erreichte schwimmend glücklich das Ufer, das er eben verlassen hatte. Nun wusste Hagen, welches Schicksal ihn und die Burgungen im Hunnenland erwartete. Keine Rückkehr gab es mehr!

Daher zerschlug er, als alle drüben waren, das Boot und ließ die Stücke davontreiben. Verwundert fragten ihn die Gefährten, was ihn dazu treibe. "Sollte ein Feigling unter uns sein, so mag er sehen, dass er uns nicht mehr im Stich lassen und heimlich nach Hause entweichen kann", entgegnete finster der Tronjer und stieß die letzte Planke in die Flut.

Auf dem Weg durch das Bayernland hatten sie noch ein weiteres Abenteuer zu bestehen. Hagen hatte es vorausgesehen, als er den Fährmann erschlug. Deshalb ließ er Volker den Vortrab führen und übernahm selber mit seinem Bruder Dankwart die Nachhut. Die erprobten Recken von Tronje ritten mit ihnen. Am Abend vernahmen sie hinter sich und zu beiden Seiten der Straße Hufschlag. Da ließ Dankwart die Helme aufbinden, und Hagen rief durch das Dunkel: "Wer reitet da auf der Straße hinter uns her?"

Es war, wie der Tronjer erwartet hatte, Gelfrat, der Bayernherzog, mit seinem Bruder Else und siebenhundert Reisigen. "Ihr habt mir den Fergen am Fluss erschlagen, nun geht es euch ans Leben!" drohte zornig Gelfrat. "Ich leugne die Tat nicht: er weigerte uns die Überfahrt, deshalb fand er den Tod. Zur Sühne im Schwerterkampf bin ich dir bereit!" rief Hagen zurück und spornte sein Roß.

Es ward ein grimmiges Streiten. Gelfrats Lanze warf den Tronjer aus dem Sattel, doch gleich war dieser wieder auf den Füßen und ging den Bayernfürsten mit dem Schwert an. Wieder geriet er in Not, als Gelfrat ihm mit gewaltigem Streich ein Stück aus dem Schild hieb. Dankwart, der eben Else eine Wunde geschlagen hatte, musste herbeieilen, und von seiner Hand fand der tapfere Herzog den Tod. Da wandten die Bayern sich zur Flucht, und die Tronjer setzten in ungestümer Verfolgung nach, bis Dankwart, froh des Sieges, sie zurückrief. Mehr als hundert Bayern lagen tot auf dem Feld. Den Tronjern war mancher Schild zerhauen, aber sie zählten nur vier Gefallene. 

Kein Feind begegnete ihnen nunmehr im Bayernland, und in Passau hielten die wegmüden Recken gute Rast. Bischof Pilgrim nahm seine Neffen und ihre Getreuen aufs beste auf, und da nicht alle in der Stadt selbst Herberge fanden, schlugen die Knechte auf einer Wiese am Fluss Zelte und Laubhütten auf. Einen Tag und eine Nacht verbrachten sie dort, ehe sie sich auf den Weg machten nach Rüdigers Mark.

An der Grenze trafen sie auf einen schlafenden Ritter. Hagen nahm ihm das Schwert weg. Es war der Markgraf Eckewart, der mit Kriemhild ins Hunnenland gezogen war. Rüdiger hatte ihn ausgeschickt, die Gäste zu begrüßen. "Weh der Schande, dass man mich hier schlafend fand, ein schlechter Grenzhüter bin ich!" klagte er, als er erwachte. Hagen aber gab ihm mit freundlichen Worten sogleich das Schwert zurück und dazu sechs Goldspangen. Da dankte ihm Eckewart bewegt: "Gott lohne Euch Eure Milde, Herr Hagen! Doch lieber wäre mir, ich hätte Euch hier vergebens erwartet, den Siegfrieds Tod hat man in Etzelnburg noch nicht verschmerzt, und ich rate Euch deshalb in Treuen: seid wohl auf der Hut!"

"Sei bedankt für deinen Rat", entgegnete Hagen, "aber vorerst haben wir nur Sorge um eine gute Herberge. Unsere Rosse sind müde und unsere Vorräte aufgezehrt. Ein sorglicher Wirt tut uns allen not."

"Den weiß ich euch", versprach Eckewart. "Marktgraf Rüdiger in Bechlaren ist es. Voll Freude wartet er auf die Gäste vom Rhein. Lasst mich vorausreiten und ihm die Nachricht bringen!"


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Freitag, 5. Juni 2015

Nibelungen Sage 24/28 | Wie die Burgunden mit den Hunnen im Saal stritten


Das Schwert in der Hand und die Brünne mit Blut überronnen, trat Dankwart in die Tür und rief seinem Bruder Hagen zu: "Wie sitzt du so ruhig da? Gott vom Himmel sei es geklagt: all unsere Knechte liegen tot in der Herberge, erschlagen von den Hunnen!"

"Dann ist jetzt unsere Stunde da!" rief Hagen zurück und sprang auf. "Hüte die Tür, Bruder Dankwart, und lass keinen Hunnen aus dem Saal!" Und schon fuhr das Schwert des grimmigen Tronjers aus der Scheide. Sein erstes Opfer wurde Ortlieb, das Söhnchen Etzels und Kriemhilds, das eben an den Tischen herumgetragen wurde. Dann streckte er den Wärter des Knaben nieder, und mit einem dritten Streich schlug er dem Spielmann Werbel die rechte Hand ab: "Das hast du für die Botschaft, die du uns ins Burgundenland brachtest!"

Nun war kein Halten mehr. Volker sprang auf und stürzte sich in das Getümmel, und als die Burgundenfürsten sahen, dass Streit nicht mehr zu schlichten war, zogen auch sie die Schwerter und griffen in den Kampf ein. Allen voran drang Giselher auf die Hunnen ein, und schrecklich dröhnte der Kampflärm durch den Saal. Besonders an der Tür, wo Dankwart stand, ging es heiß her. Von draußen und von drinnen warfen sich die Hunnen gegen den kühnen Torhüter, um den Ausgang freizumachen, aber Volker eilte ihm zur Hilfe, und nun schirmten die beiden den Saal besser, als es tausend eiserne Riegel vermocht hätten.

In ihrer Not flehte Kriemhild den Gotenkönig an: "Hilf uns, edler Fürst von Bern! Wenn Hagen mich erreicht, ist es um mich geschehen. Hilf mir und dem König aus dem Saal!" Da stieg der Berner auf einen Tisch und ließ seine Stimme mächtig wie den Klang eines Büffelhornes über die Streitenden hin erschallen. Sogleich senkte König Gunther das Schwert, und die Burgunden folgten seinem Beispiel. Der Kampflärm verstummte, und in die Stille hinein rief Dietrich: "Gebt mir und den Meinen Frieden, ihr Recken vom Rhein, und lasst uns ungefährdet aus dem Saal gehen!"

Dazu erklärte König Gunther sich sogleich bereit: "In Frieden mögt Ihr, edler Herr von Bern, den Saal verlassen und alle mitnehmen, die unter eurem Schutz stehen. Nur die Hunnen, unsere Feinde, müssen bleiben!" Da nahm Dietrich Kriemhild und den König Etzel bei der Hand und führte sie mit seinen Amelungenrecken davon. Ihnen durfte sich auch Markgraf Rüdiger mit seinen Mannen anschließen. Als dem Vater Dietlindes und treuen Freund der Burgunden gewährte der junge Giselher ihm freien Abzug. Im Saal aber entbrannte nun der Kampf aufs neue, und nicht eher ruhten die Waffen, als bis der letzte Hunne erschlagen lag. Doch neuen Angriff befürchtend, riet Gieselher seinen Gefährten, die Toten beiseite zu schaffen, und so warfen sie denn die Leichen die Stiege hinunter vor den Saal.

Dann traten Hagen und Volker vor die Tür, und auf ihre Schilde gelehnt, höhnten sie übermütig die Hunnen. Volker warf einen Speer nach ihnen, dass sie erschreckt zurückwichen, und Hagen verspottete Etzel als Feigling. Ein schlechtes Beispiel habe er gegeben und nicht wie die Burgundenfürsten an der Spitze seiner Mannen gefochten.

Da fasste Etzel seinen Schild und wollte den Tronjer angehen, aber Kriemhild hielt ihn zurück und rief: "Wer mir Hagens Haupt bringt, dem fülle ich des Königs Schild mit rotem Gold, und dazu soll er noch Land haben und reiche Burgen!" Doch vergebens bat sie. Keiner der Hunnen, die um König Etzel standen, wagte es, die grimmigen Recken an der Tür des Saales anzugreifen, und von neuem spottete Volker über hunnische Feigheit: "Das Brot ihres Herrn essen sie Tag für Tag, aber in der Not steht niemand ihm bei!"

Auch dieser Vorwurf blieb ohne Wirkung auf die Mannen Etzels. Da waffnete sich der Markgraf Iring vom Dänenland und trat zum Kampf gegen Hagen an. Seinen Dänen voraus stürmte er gegen den Saal, schoss die Lanze auf Hagens Schild, dass sie splitternd brach, und griff dann gleichzeitig mit dem Tronjer zum Schwert. Dröhnend hallten die Schläge der beiden Kämpen gegen die Mauern des Saales, aber Hagen stand unerschütterlich wie ein Turm. Da lief Iring den Spielmann an, darauf Gunther und Gernot, und immer wieder sprühten die Funken aus Helmen und Panzerringen, ohne dass dem tapferen Dänen ein tödlicher Streich gelang. Schließlich wandte er sich gegen Giselher, und da war es der junge Burgundenheld, der dem Kühnen eine tiefe Wunde schlug, dass er strauchelte und niedersank. Doch mit letzter Kraft sprang er wieder auf, drang abermals auf Hagen ein und traf ihn mit seinem Schwert Waske durch den Helm, dass das Blut hervorschoss.

Wie grimmig verhalt der Tronjer ihm diesen Hieb! Mit gewaltigen Schwertschlägen, die rote Funken aus Schild und Helm stieben ließen, trieb er den Dänen die Stiege hinab und seinen Mannen zu, die bei Kriemhild standen. Die Königin selbst, voll Freude darüber, dass Hagens Streitgewand von Blut gerötet war, nahm dem Tapferen den Schild von der Hand, und dieser band sich zur Kühlung den Helm ab. Bald aber war er von neuem gewaffnet und lief wieder gegen Hagen an.

Doch nun wandte sich das Kampfglück gegen den heldenmütigen Iring. Ein mächtiger Schwerthieb traf ihn durch den Helm, und ehe er den Schild zur Deckung heben konnte, saß Hagens Speer, mit voller Wucht geschleudert, ihm im Haupt, dass der Schaft weit herausragte. Todwund brach der Dänenfürst zusammen.

Laute Klage erhob sich nun unter seinen Mannen. Auch Kriemhild jammerte um den Helden, der von Hagens Hand gefallen war. Noch einmal schlug der Sterbende die Augen auf und mahnte seine Gefährten, um des Goldes der Königin willen nicht ihr Leben einzusetzen. Doch seine Worte waren vergeblich. Ihren toten Herrn zu rächen, stürmten die Dänen gegen den Saal. Sie fielen bis auf den letzten Mann, und mit ihnen gingen in den Tod ihre treuen Waffenbrüder, die Thüringer, unter der Führung des kühnen Irnfried.


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Donnerstag, 4. Juni 2015

Nibelungen Sage 25/28 | Wie Kriemhild Feuer an den Saal legen ließ


Endlich durften die Burgunden die Helme abbinden. Auf den Haufen der Gefallenen ließen sie sich zur Rast nieder. Wieder übernahmen Hagen und Volker die Wacht an der Tür vor einem neuen Angriff der Feinde.

Sie brauchten nicht lange zu warten. Ein ganzes Hunnenheer zog heran. Schar auf Schar stürmte gegen den Saal, und den ganzen langen Sommertag hindurch währte der erbitterte Kampf. Erst die anbrechende Nacht setzte dem Ringen ein Ende.

Da standen sie, erschöpft an die Schilde gelehnt, auf dem blutgetränkten Kampfplatz, die streitmüden Recken, und mancher Panzerring war rot verfärbt, aus mancher Wunde sickerte das Blut. Die Not seiner Getreuen ging König Gunther zu Herzen. Mit lauter Stimme rief er nach Etzel und bot ihm Frieden an.

Doch der Hunnenkönig antwortete: "Frieden könnt ihr nun nicht mehr haben. Mein Kind habt ihr erschlagen, und so viele meiner Freunde liegen tot. Keiner von euch soll mit dem Leben davonkommen." Vergebens erinnerte Gunther ihn daran, dass das Unheil mit dem Überfall Blödels auf die Knechte seinen Anfang genommen habe. Etzel, vordem der mildeste aller Wirte, verlangte nach Rache.

Da wandte Gieselher sich an Kriemhild, die zur Seite Etzels stand: "Liebste Schwester, nie hätte ich geglaubt, dass du mich einmal in solche Not brächtest! Stets hielt ich dir die Treue, und kein Leid geschah dir je von mir. Dafür erweise uns jetzt deine Huld und lass uns ziehen!"

Giselhers flehende Worte rührten das steinerne Herz der Königin. "Nun wohl", entgegnete sie, "wenn ihr mir Hagen als Geisel ausliefert, sollt ihr das Leben haben und in die Heimat zurückkehren dürfen, denn ihr seid meine Brüder, und die gleiche Mutter haben wir."

"Das verhüte Gott im Himmel!" rief Gernot. "Und wären wir tausend Brüder, wir gingen alle lieber in den Tod, als dir einen einzigen unserer Mannen als Geisel zu lassen!" Auch Giselher, der junge, bedachte sich keinen Augenblick und stimmte dem Bruder bei: "Nie brach ich einem Freund die Treue, und so soll es bleiben bis in den Tod!"

Nun kannte Kriemhild kein Mitleid mehr mit den Brüdern, die von Hagen nicht lassen wollten. Sie befahl, die Burgungen in den Sall zurückzutreiben, und ließ dann Feuerbrände an seine vier Ecken legen. Bald loderten die Flammen, vom Wind getrieben, hoch auf und ergriffen das Dach. Gierig fraßen sie sich weiter an Stützen und Sparren und schossen zu einem einzigen wabernden Feuermeer zusammen. Brennend stürzte das Gebälk in die Tiefe, Funkengarben regneten herab, beißender Rauch zog in dichten Schwaden durch den Saal, und höllische Glut dörrte den Männern die Kehle.

"An die Wände!" rief Hagen den Gefährten zu. "Und die Schilde hoch, dass die Balken euch nicht erschlagen! Stoßt sie mit den Füßen in die Blutlachen, dann werden die Brände rascher verlöschen!"

So standen sie die ganze Nacht unter ihren Schilden, während das Feuer raste, das glühende Dachwerk herunterprasselte und der Brandrauch ihnen den Atem nahm. Es war eine Nacht des Grauens und des Todes.

Endlich brach der Tag an, und ein kühler Morgenwind kam daher. Giselher verspürte ihn zuerst und rief den Freunden zu: "Es will tagen! Gebe Gott, dass wir noch einmal bessere Stunden erleben, als diese Nacht sie uns brachte!"

Die Gesichter schwarz vom Flammenruß, traten die Überlebenden über verkohltes Gebälk und schwelende Trümmer zusammen und reichten sich die Hände. Sechshundert waren es noch, die das Feuer verschont hatte.


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Dienstag, 2. Juni 2015

Nibelungen Sage 27/28 | Wie Dietrichs Recken erschlagen wurden


Das Wehklagen um den edlen Rüdiger vernahm ein Recke Dietrichs. Er vermeinte, König Etzel oder Kriemhild selbst habe der Tod ereilt, und brachte die Kunde eilends seinem Herrn. Der schickte um genaue Nachricht in Etzels Palast und erfuhr nun bald zu seinem Schmerz, dass der blutige Kampf im Saal den Markgrafen und all seine Getreuen hinweg gerafft habe. Allen Amelungen rührte die Unglücksbotschaft ans Herz, denn ein treuer Freund war ihnen der milde Herr von Bechlaren allzeit in der Fremde gewesen.

Traurig sann Dietrich vor sich hin. Wie war es zu diesem unseligen Kampf gekommen, und wie hatte der edle Rüdiger den Tod gefunden? Zu gerne hätte er das gewusst, und so sandte er seinen alten Waffenmeister Hildebrand zu den Burgunden, um nähere Kunde zu holen.

Wie er war, ohne Schild und Waffen, wollte sich der Alte sogleich auf den Weg machen. Aber sein Neffe Wolfhart hielt ihn zurück: "Mit Schimpf und Spott werden Euch die Burgunden zurückschicken, wenn Ihr so unritterlich daherkommt. Bei ihnen gilt nur etwas der Mann mit dem Schwert in der Hand." Da legte der Alte seine Rüstung an, und als er fertig war, standen auch seine Mannen in Wehr und Waffen da. Erstaunt fragte er, wohin sie wollten. "Wir lassen Euch nicht allein gehen, Meister Hildebrand! Hagen möchte sonst seinen Spott mit Euch treiben", war die Antwort. Wohl hätte Hildebrand sich lieber ohne Begleiter aufgemacht, aber um die Getreuen nicht zu kränken, nickte er Gewähr.

Als erster erblickte Volker die Amelungenrecken. "Da kommen in Waffen die Berner", rief er den Freunden zu, "nun wird es uns übel ergehen!" An der Stiege setzte Hildebrand den Schild vor Fuß und richtete die Frage, die sein Herr ihm aufgetragen hatte, an die Burgunden: "Sagt an, wie es um den edlen Markgrafen von Bechlaren steht! Wir hörten, hier im Saal habe er den Tod gefunden."

"So habt ihr recht gehört", antwortete Hagen. "Uns allen ist es leid um den Helden, der seinen Schwur mit dem Leben bezahlen musste. Nie wird man ihn genug beweinen."

Laute Klage ging durch die Reihen der Amelungen, und Hildebrand bat: "Gebt uns die Leiche des edlen Herrn, damit wir ihm die Ehre erweisen, die ihm gebührt!" König Gunther war dazu bereit, aber Volker spottete: "holt ihn euch selbst heraus, wir sind eure Knechte nicht!"

Da brauste der ungestüme Wolfhart auf. Scharfe Worte fielen zwischen ihm und dem Fiedler, und ehe der alte Hildebrand seinen Neffen zu hindern vermochte, war dieser die Stiege hinaufgestürmt und lief Volker wie ein Löwe an. Nun war kein Halten mehr. Hinter dem kühnen Wolfhart kämpften sich die Amelungenrecken in den Saal, auch der alte Hildebrand blieb jetzt nicht zurück, ja, noch vor dem Neffen drang er durch die Tür, und wieder erfüllte der eiserne Kampflärm die Halle. Wieder lohten die Funken aus Brünnen und Schilden, und wieder hielt der Tod furchtbare Ernte.

Volker fiel unter den Schwerthieben des grimmigen Hildebrand, Dankwart erlag dem starken Helfrich, und als Wolfhart mit Giselher aneinandergeriet, war es für beide der letzte Kampf: einer traf den anderen durch Helm und Panzer mit tödlichem Streich, und nebeneinander sanken sie tot auf die blutgetränkte Walstatt. Den Tod seines Streitgefährten, des tapferen Spielmanns, zu rächen, drang der Tronjer mit Ingrimm auf Hildebrand ein. Balmung, das Schwert Siegfrieds, schlug dem Alten eine schwere Wunde, und mit dem Schild den Rücken deckend, entkam er mit knapper Not aus dem Saal.

Keiner der Amelungenrecken konnte ihm folgen, denn sie lagen bereits alle erschlagen. Der Kampf war zu Ende. Von den Burgunden aber lebten nur noch Gunther und Hagen. Auf ihre Schwerter gestützt, hielten sie den Freunden einsame Totenwache.

Der Zorn überkam Dietrich, als Hildebrand mit Blut bespritzter Brünne vor ihn trag. "Befahl ich dir, mit den Burgunden, meinen Freunden, zu kämpfen?" fuhr er ihn an. "Mein Schuld ist es nicht", entgegnete der Alte. "Wir baten um Rüdigers Leiche, und Volker weigerte sie uns mit bösem Spott. Hagen aber war es, der mir diese Wunde schlug."

"So lass denn meine Männer sich waffnen", beschied ihn voll Kummer der Berner, "ich will selbst zu den Burgunden gehen."

"Herr", entgegnete ihm traurig der Alte, "was Ihr an Männern noch habt, das steht hier vor Euch: ich allein bin es, die anderen alle liegen tot im Saal."

Nie hatte der Gotenkönig leidvollere Kunde vernommen. In tiefem Schmerz senkte er das Haupt. Er dachte an Wolfhart und all die kühnen jungen Recken, die seine Freude und sein Stolz gewesen waren. "Und wer lebt noch von den Burgunden?" fragte er.

"Niemand als Gunther und Hagen", antwortete der alte Hildebrand.

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Mittwoch, 4. März 2015

Der Eber und der Fuchs ⋅ Die Vorbereitung ⋅ Fabel von Aesop


Ein Fuchs sah einen Eber seine Hauer an einem Eichstamm wetzen und fragte ihn, was er da mache, da er doch keine Not, keinen Feind vor sich sehe? "Wohl wahr", antwortete der Eber, "aber gerade deswegen rüste ich mich zum Streit; denn wenn der Feind da ist, dann ist es Zeit zum Kampf und nicht zum Zähnewetzen." 


Lehre:
Bereite dich im Glück auf das künftige Unglück vor; sammle und rüste dich in guten Tagen auf Schlimmeres. 






Montag, 19. März 2012

Der Löwe und die Mücke | Stolz | Fabel von Aesop


aventin.blogspot.com

Eine Mücke forderte mit den übermütigsten Worten einen Löwen zum Zweikampf heraus: "Ich fürchte dich nicht, du großes Ungeheuer", rief sie ihm zu, "weil du gar keine Vorzüge vor mir hast; oder nenne sie mir, wenn du solche zu haben glaubst; etwa die, dass du deinen Raub mit Krallen zerreißt und mit Zähnen zermalmst? Jedes andere feige Tier, wenn es mit einem Tapferen kämpft, tut dasselbe, es beißt und kratzt. Du sollst aber empfinden, dass ich stärker bin als du!" Mit diesen Worten flog sie in eines seiner Nasenlöcher und stach ihn so sehr, dass er sich vor Schmerz selbst zerfleischte und sich für überwunden erklärte.

Stolz auf diesen Sieg flog nun die Mücke davon, um in alle Welt hinaus zu posaunen, wie stark sie sei. Dabei übersah sie aber das Gewebe einer Spinne und verfing sich in demselben. Gierig umarmte sie die Spinne und sog ihr das Heldenblut aus. Sterbend empfand die Mücke ihre Nichtigkeit, indem sie, die Siegerin über den Löwen, einem so verächtlichen Tier, einer Spinne, erlag.

Lehre:
Hochmut kommt vor dem Fall.







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