Aventin Blog: Anekdoten
Posts mit dem Label Anekdoten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Anekdoten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 4. Mai 2016

Berlin - Ein großes Dorf | Redegewandtheit | Johann Wilhelm von Archenholtz


Eine preußische Hofdame, die einst in dem Gemach der Königin einen französischen Obersten unterhielt, fragte ihn, was er von Berlin dächte. Die Antwort des Franzosen war: "Ich betrachte es wie ein großes Dorf."

Die durch diese so unerwartete Grobheit beleidigte Hofdame hatte aber Gegenwart des Geistes genug, um folgende schöne Antwort zu geben: "Sie haben wohl recht, mein Herr, seitdem die französischen Bauern in Berlin sind, hat es mit einem Dorf viel Ähnliches, sonst aber ist es eine recht gute Stadt."





Mittwoch, 27. April 2016

Handel mit heiligen großen Zehen in Italien | G. Ch. Lichtenberg


Im Jahr 1780 kam Sir William Hamilton nach dem kleinen Städtchen Isagua in Abruzzo und bemerkte dort in einer den heiligen Cosmas und Damian gewidmeten Kirche, dass sich eine Menge Frauen und Mädchen andächtig um einen jungen Kanoniker versammelt hatten, der ein großes Becken vor sich stehen hatte, in welches diese Andächtigen etwas opferten, das Sir Williman nicht gleich erkennen konnte. 

Als er sich erkundigte, was das sei, was die Damen da in das Becken trügen, sagte man ihm, es wären in Wachs geformte große Zehen des Schutzheiligen dieser Kirche, des heiligen Cosmo. --- Und warum würden sie denn geopfert? Es geschähe, war die Antwort, sich damit Fruchtbarkeit zu erbitten. Dass man nun gerade die große Zehe des Heiligen wählte und nicht lieber den Daumen oder sonst einen Finger oder die ganze Hand, machte die Neugierde des Philosophen rege; er trat also hinzu, um die Große-Zehen-Sammlung näher zu betrachten, und fand am Ende, dass die Frauen zu Isagua in Abruzzo, um Fruchtbarkeit zu erlangen, Priapen opferten, die mit viel Kunst in Wachs geformt waren und die man, um ein skandalöses Verfahren zu verstecken, einfach große Zehen genannt hatte. 

Die Mönche des Ortes schickten nämlich ihre Brüder mit Körben voll dieser Zehen aus, die diese dann auf den Straßen feil boten. Eigentlich hatten die Zehen keinen bestimmten Preis, man konnte geben, was man wollte, aber da man hauptsächlich die Eigenschaft an ihnen rühmte, dass die Wirkung immer desto sicherer wäre, je mehr man dafür bezahlte, so zogen die Mönche mit ihrer Ware beträchtliche Summen ein. 

Offenbar waren an dem Ort früher Priapeja gefeiert worden und die Einkünfte dieser Wachsfiguren mochten den Nachfolgern des Heidentums zu  gewichtig erschienen sein, um sie nicht auch zum Besten für das Kloster zu verwenden und den heidnischen Brauch unter einem etwas züchtigeren Namen weiter leben zu lassen. 






Freitag, 24. Juli 2015

Schwarz und Weiß • Aus dem Alltag einer Stewardess

Folgendes geschah bei einer bekannten Fluglinie. Eine etwa 50-jährige weiße Frau kam zu ihrem Sitz und sah, dass der Passagier neben ihr ein schwarzer Mann war. Sichtlich wütend, rief sie die Stewardess. "Was ist das Problem? Kann ich ihnen weiterhelfen?" fragte diese die Dame. "Sehen Sie das nicht?" antwortete die Frau - "ich habe einen Platz neben einem schwarzen Mann bekommen. Ich kann und möchte nicht neben ihm sitzen. Bitte geben sie mir einen anderen Platz!" 

"Bitte, beruhigen Sie sich" - sagte daraufhin die Stewardess. "Leider sind alle Sitzplätze besetzt, aber ich werde noch mal nachschauen, ob wir vielleicht noch einen anderen haben." 

Die Flugbegleiterin ging weg und kam einige Minuten später wieder. "Madam, wie ich Ihnen bereits sagte, es gibt keinen freien Platz mehr in dieser Economy-Class. Jedoch sprach ich mit dem Kapitän und der sagte mir, dass es zwar keine freien Plätze mehr in der normalen Economy-Class gibt, aber durchaus noch in der ersten Klasse! 

Und noch bevor die Dame antworten konnte, fuhr die Stewardess mit ihrer Erläuterung fort. "Schauen Sie, es ist durchaus ungewöhnlich für unsere Fluglinie, Passagiere im Nachhinein von der Economy-Class in die erste Klasse umzubuchen. Doch angesichts der Umstände, und so denkt auch der Flugkapitän, wäre es eine Zumutung, während des ganzen Fluges neben einer solch unangenehmen Person sitzen zu müssen."

Dabei wandte sich die Stewardess an den schwarzen Mann und sagte: "Das bedeutet, Sir, wenn sie so nett wären Ihr Handgepäck zu nehmen, dass wir für sie einen Platz in der ersten Klasse reserviert haben ...!"

Die übrigen Passagiere, die die Szene zunächst schockiert mit verfolgt hatten, begannen nun zu applaudieren und einige standen dabei sogar auf.





Donnerstag, 28. Mai 2015

Darf man Heilsgeschichten immer Glauben schenken? • Anekdote

Sprach einst auf einer Wallfahrt nach Rom ein Novize zu seinem Abt: "Vater ich habe herausgefunden, dass der heilige Stefanus wohl eine Missgeburt gewesen sein muss. Ich habe auf unserer Reise nun schon fünfundzwanzig Finger des heiligen Stefanus, dazu sieben Oberschenkelknochen, zwei Schädel, an die hundert Zähne und so viele Rippen, dass einem davon ganz schwindelig werden könnte, gezählt. Und jeder dieser heiligen Knochen wurde als echte Reliquie ausgestellt. Wenn also die Geistlichen alle die Wahrheit sprechen, und ein guter Christenmensch selbstverständlich glaubt, dass die Kirche niemals lügt, muss davon ausgegangen werden, dass der Heilige eine Missgeburt mit zwei Köpfen, unglaublich vielen Zähnen, einer Hand mit zwölf und der anderen mit dreizehn Fingern, sieben Beinen und einem wenigstens drei Klafter hohen Brustkorb war, damit er all diese Rippen fassen konnte."

Da sprach der Abt zu seinem Schüler: "Bete mein Sohn um den rechten Glauben!"








LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...