Nibelungen Sage 8/28 | Wie Gunther und Siegfried Hochzeit hielten | Aventin Blog

Sonntag, 21. Juni 2015

Nibelungen Sage 8/28 | Wie Gunther und Siegfried Hochzeit hielten


Neun Tage lang fuhren sie über See, dann ritt Siegfried mit vierundzwanzig Recken auf schnellen Rossen den Schiffen voraus; er sollte die Kunde von der glücklichen Brautwerbung nach Worms bringen. Auf Hagens Rat hatte Gunther ihn darum gebeten, und so wenig ihm auch die Botenrolle zusagte: in Worms war Kriemhild, und da gab es für ihn kein Zögern.

Den Rhein entlang ging es auf jagenden Hufen, doch als die reisige Schar in der Burgundenstadt anlangte, erscholl Jammern und Klagen durch die Gassen. König Gunther war nicht unter den Recken, die da einritten, was mochte ihm zugestoßen sein? Auch Gernot und Giselher, die gleich herbeieilten, befürchteten schlimme Kunde. Siegfried zerstreute ihre Sorgen: "Um König Gunther steht es gut, bald wird er zu Schiff mit Frau Brunhild, seiner Braut, in Worms sein; ich reite ihm als Bote voraus."

Die gleiche frohe Nachricht brachte er ohne Säumen auch Frau Ute und Kriemhild, die sich um Gunther von Herzen gesorgt hatten. Mit Tränen in den Augen  dankte ihm Kriemhild: "All mein Gold möchte ich Euch als Botenlohn geben, Herr Siegfried, wenn Ihr nicht schon übergenug der Schätze hättet. So biete ich Euch denn immerdar meine Huld." Welch reicheren Lohn hätte sich Siegfried da noch wünschen mögen!

Nun wurden Burg und Stadt zum frohen Empfang des hohen Brautpaares und der zahlreichen Gäste aufs prächtigste gerüstet. Geschäftig eiferten die Mannen Gunthers miteinander, den Festplatz am Rhein mit Zelten und Gestühl stattlich herzurichten. Boten baten im ganzen Land die ritterlichen Herren und ihre Frauen zur Hochzeit, und bald zogen die Geladenen auf allen Wegen der in buntem Schmuck prangenden Königsstadt zu.

Als die Schiffe auf dem Strom herannahten, standen vielhundert Ritter und Frauen, gar festlich angetan, zum Empfang am Strand bereit. Auch Frau Ute und ihre Tochter waren auf reichgezäumten Pferden hinausgeritten. Siegfried hatte Kriemhilds Zelter vom Stadttor an am Zügel geführt, und Ortwin hatte Frau Ute geleitet. Kopf an Kopf drängte sich die frohgestimmte Menge.

Die Schiffe legten an, Gunther nahm Brunhilds Hand, und jubelnd begrüßt stiegen die beiden als erste an Land. Kriemhild ging ihnen entgegen, küsste Brunhild und bot ihr herzlichen Gruß: "Meiner Mutter und mir und all unseren Freunden sollt Ihr in diesem Land willkommen sein!" Auch Frau Ute schloss die Braut in die Arme und küsste sie. Alle Augen waren auf Brunhild gerichtet. Ihre Schönheit, von der allenthalben Wunder erzählt wurden, war ohne Makel. Nur eine aus dem Kreis der Frauen übertraf sie: das war Kriemhild, die in der blühenden Anmut ihrer Jugend neben ihr stand.

Zu Ehren der Königsbraut und der hohen Gäste wurde auf der Kampfbahn des Festplatzes am Rhein ein Turnier veranstaltet. Auf ihren Streitrossen ritten die reisigen Recken im Speerkampf gegeneinander. Welch ein Getümmel gab es da, wenn die Scharen zusammenstießen, wenn Lanzen brachen und Schilde splitterten, wenn Sättel leer wurden und Rosse sich bäumten! Immer wieder durchbrach Siegfried mit seinen Nibelungen die Reihen der Gegner. Ihm gebührte die Krone der Ritterschaft.

So ging der Tag dahin in der fröhlichen Lust und Kurzweil der Kampfspiele. Als die Dämmerung anbrach und es kühl vom Wasser herüberwehte, führten die Ritter die Frauen zu dem großen Saal in der Königsburg. Dort waren lange Tafeln köstlich gedeckt, und schöne Sitze standen für die Gäste bereit. In goldenen Becken reichten die Kämmerer das Wasser zum Händewaschen. 

Ehe das Mahl begann, trat Siegfried zu Gunther und sprach: "Die Hand Eurer Schwester habt Ihr mir mit Wort und Eid zugesichert, wenn Brunhild als Herrin in dieses Land käme. Nun ist es wohl Zeit, zu Eurem Wort zu stehen." Gunther erwiderte: "Es ist recht, dass Ihr mich mahnt. Mein Versprechen will ich halten, so gut ich es vermag." Sogleich ließ er Kriemhild herbeiholen und sagte zu ihr: "Einem edlen Recken habe ich dich versprochen, liebe Schwester, und nun steht es bei dir, ob ich mein Wort einlösen kann." Kriemhild brauchte sich nicht lange zu bedenken: der Recke, von dem Gunther sprach, war ihr wohlbekannt. So gab sie zur Antwort: "Lieber Bruder, deinen Wunsch will ich erfüllen und dem Mann angehören, den du mir bestimmt hast." Siegfried strahlte vor Glück, als er diese Worte vernahm.

Da ließ Gunther das Paar in den Kreis der Ritter treten und fragte seine Schwester, ob sie Siegfried zum Mann nehmen wolle. Errötend und ein wenig verschämt, wie es bei Mädchen zu sein pflegt, gab sie ihr Jawort. Wie stolz war Siegfried, als er nun seine Braut vor aller Augen umarmen durfte! Siegfried und Kriemhild erhielten bei Tisch den Ehrenplatz gegenüber Gunther und Brunhild. Da füllten Brunhilds Augen sich mit Tränen und als Gunther sie nach der Ursache ihres Kummers fragte, sagte sie: "Deiner Schwester Kriemhild wegen ist das Herz mir schwer. Einem Lehnsmann gibst du sie zur Frau, welche Schmach!" Gunther erwiderte: "Ohne Not weint Ihr, edle Frau. Siegfried hat selber Burgen und Land, er ist ein König wie ich, und Kriemhild an seiner Seite Königin." Doch Brunhild ließ seine Worte nicht gelten, trotzig verharrte sie den ganzen Abend in ihrem Unmut.

Als das Fest zu Ende war, führte Gunther Brunhild in die Kemenate. Da überkam der Groll sie so heftig, dass sie wieder die streitbare Kämpferin wurde, die sie auf dem Isenstein gewesen war. Sie rang mit Gunther, band ihn mit ihrem Gürtel an Händen und Füßen und hängte ihn an einen Nagel an der Wand. Die ganze Nacht musste er so gebunden da zubringen. Erst als der Morgen anbrach, löste sie ihn von seiner Fessel.

Nach der Messe im Münster, wo Gunther und Brunhild wie auch Siegfried und Kriemhild Krone und königliches Gewand empfingen, klagte Gunther insgeheim dem Helden von Niederland, wie es ihm in der Nacht ergangen war. Wiederum wusste Siegfried Trost und Hilfe. "Ich komme heute am Abend unter der Tarnkappe in deine Kammer", versprach er, "dann soll Brunhild ihr trotziger Mut vergehen."

So geschah es denn auch. Wieder wollte Brunhild das Spiel der vergangenen Nacht beginnen, aber diesmal hatte sie es mit Siegfried zu tun, der unter seiner Wunderkappe verborgen war. Wie grimmig sie sich auch wehrte, der Held bezwang sie mit seiner gewaltigen Kraft. Da ergab sie sich und versprach: "Nie will ich mich wieder gegen dich auflehnen, König Gunther. Ich habe es nun erfahren, dass du der Herr und Meister bist." Siegfried zog ihr heimlich einen goldenen Ring vom Finger und nahm auch ihren Gürtel an sich. Dann verließ er unbemerkt die Kammer.

Brunhild aber hielt ihr Wort. Als Königin nahm sie ihren Platz an König Gunthers Seite ein, und mit ihrem Trotz war auch ihre frühere Stärke nun für immer dahin. Ring und Gürtel schenkte Siegfried später Kriemhild und erzählte ihr, wie er zu beiden gekommen war. Das aber sollte Unheil und Verderben über ihn selbst und manch wackeren Recken bringen.

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