Aventin Blog: Januar 2016

Freitag, 29. Januar 2016

Farbenphänomene | Rot | Johann Wolfgang Goethe

Man entferne bei dieser Benennung alles, was im Roten einen Eindruck von Gelb oder Blau machen könnte. Man denke sich ein ganz reines Rot, einen vollkommenen, auf einer weißen Porzellanschale aufgetrockneten Karmin. Wir haben diese Farbe ihrer hohen Würde wegen manchmal Purpur genannt, ob wir gleichwohl wissen, dass der Purpur der Alten sich mehr nach der blauen Seite hinzog. 

Wer die prismatische Entstehung des Purpurs kennt, der wird nicht paradox finden, wenn wir behaupten, dass dieser Farbe teils actu, teils potentia alle anderen Farben enthalte. Wenn wir beim Gelben und Blauen eine strebende Steigerung ins Rote gesehen und dabei unsere Gefühle bemerkt haben, so lässt sich denken, dass nun in der Vereinigung der gesteigerten Pole eine eigentliche Beruhigung, die wir eine ideale Befriedigung nennen möchten, stattfinden könne. Und so entsteht bei physischen  Phänomenen diese höchste aller Farbenerscheinungen aus dem Zusammentreten zweier entgegengesetzten Enden, die sich zu einer Vereinigung nach und nach selbst vorbereitet haben. 





Mittwoch, 27. Januar 2016

Wer oder was ist das? | Beim Wegtun wird es immer größer!


Je mehr man wegtut,
desto größer wird es.

Je mehr man dazutut, 
desto kleiner wird es.



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Dienstag, 26. Januar 2016

Die Felsen Mönch und Nonne an der Lenne ⋅ Sage aus Deutschland

Am Lenneufer, unweit eines kleinen Dorfes, liegen an der nach Iserlohn führenden Landstraße ein paar senkrecht aus dem Tal aufrecht stehende Kalkfelsen dicht nebeneinander, welche Heierstein oder auch Mönch und Nonne genannt werden. Beide Felsen ragen rund 100m in die Höhe. Da der Kalk von heller Farbe ist, hebt sich das Gestein deutlich vom Grün der umliegend bewaldeten Berge ab. Über dieser prächtigen Felsgruppe, welche einem menschlichen Paar sehr ähnlich sieht, liegt auf der Höhe des Burgberges eine alte ringförmige Umwallung. Am Fuße des Berges befinden sich mehrere Höhlen, in welchen Knochen aus alter Zeit gefunden wurden. 

So erzählt man sich, dass vor vielen Jahren ein Mönch in einem nahe gelegenen Kloster gelebt habe, der sehr streitsüchtig gewesen sei und von der strengen Ordnung, welcher Mönche im Kloster nun mal unterworfen sind, nichts wissen wollte. Darum sei er ausgebrochen, habe die geistlichen Drohungen seiner Brüder verlacht und sich mit andern Gesellen auf dem Burgberg ein stattliches Ritterschloss erbaut. Auch warb er um die Liebe einer Nonne, welche von ihren Verwandten in einem Frauenkloster untergebracht worden war, welche ihm mit Freuden auf die Burg folgte. Im täglichen Leben hätten beide der Sitte zum Trotz weiter ihre klösterliche Tracht getragen, welche aus langen, weißen Gewändern bestand. Lange Jahre hätten sie so auf dem Burgberg in Freuden und Eintracht gelebt. Nur einmal, als ein sehr heiliger Mann durch diese Gegend gezogen kam und er den beiden, Mönch und Nonne, ihr unsittliches und verwerfliches Leben vorwarf,  hätten sie diesen geradewegs in den Fluss Lenne werfen lassen. Sterbend weissagte der hl. Mann den Untergang der Frevler voraus, und wirklich, während sie noch am Ufer standen und die Worte des Sterbenden vernahmen, zog ein Unwetter auf, unter dessen Blitzen das Schloss mit allem, was darinnen war, in Schutt und Asche gelegt wurde. Die beiden Missetäter, Mönch und Nonne, ebenfalls vom Blitz getroffen, seien zu Stein erstarrt und müssen seitdem zum ewigen Gedenken an ihre Untat dort stehen bis ans Ende der Welt.






Montag, 25. Januar 2016

Der Landmann und der Storch ⋅ mitgegangen - mitgehangen ⋅ Fabel von Aesop


Ein Landmann stellte den Kranichen Netze und fing unter einer Menge derselben auch einen Storch. Dieser stellte sich lahm, bat um seine Freiheit, berief sich auf seinen guten Ruf, auf sein Verdienst in Vertilgung schädlicher Tiere und wie er ja schon dem Äußern nach den Kranichen nicht ähnlich sei. 


"Ist recht", sagte der Landmann, "allein ich behandle dich nach deiner schlechten Gesellschaft!"

Lehre:
Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen!








Freitag, 22. Januar 2016

Griechische Personifikationen der Gerechtigkeit ⋅ Dike, Nemesis und Themis

Dike (griechisch Δίκη, „Gerechtigkeit“) ist in der griechischen Mythologie eine der Horen, eine von drei Personifikationen der Gerechtigkeit. Ihre Eltern sind Zeus und Themis, ihre Schwestern sind Eunomia („gute Ordnung“) und Eirene („Frieden“). Dike steht für die strafende Gerechtigkeit.


Nemesis (griechisch Νέμεσις „Zuteilung (des Gebührenden)“) steht in der griechischen Mythologie für die ausgleichende Gerechtigkeit (Göttin des „gerechten Zorns“). Nemesis bestraft vor allem die menschliche Selbstüberschätzung (Hybris) und die Missachtung von Themis, des göttlichen Rechts und der Sittlichkeit.


Themis (griechisch Θέμις), Tochter des Uranos und der Gaia, gehört zum Göttergeschlecht der Titanen und steht für die oberste Gerechtigkeit, Ordnung, Sittlichkeit und Philosophie. Sie war – nach Metis – die zweite Gattin des Zeus, der mit ihr die Horen (Göttinnen, die das geregelte Leben überwachten) und Moiren (Dreiergruppe von Schicksalsgöttinnen) zeugte. Nach Gaia war sie die zweite Schutzherrin des Orakels von Delphi. Themis kannte die Zukunft und besaß ein Wissen um Dinge, das selbst dasjenige des Zeus überstieg. In bildlicher Darstellung erkennt man sie mit erhobener Waage, während Dike und Nemesis (Göttinnen der strafenden und der ausgleichenden Gerechtigkeit) mit erhobenem Schwert dargestellt werden. 






Dienstag, 19. Januar 2016

Das Lied vom wilden Wassermann und der schönen Lilofee





Es freit ein wilder Wassermann vor der Burg wohl über dem See. Er freit nach königlichem Stand um die schöne junge Lilofee.

Er ließ eine Brücke bauen vor der Burg wohl über dem See, darauf sollt sie spazieren gehen, die schöne junge Lilofee. 

Als sie auf die Brücke kam vor der Burg wohl über dem See, der Wassermann zog sie hinab, die schöne junge Lilofee.

Drunten war sie sieben Jahr vor der Burg wohl über dem See, und sieben Kinder sie ihm gebar, die schöne junge Lilofee.

Sie hörte drunt die Glocken gehn vor der Burg wohl über dem See, wollt' Vater und Mutter wiedersehn, die schöne junge Lilofee.

Und als sie aus der Kirche kam vor der Burg wohl über dem See, da stand der wilde Wassermann vor der schönen jungen Lilofee.

Willst du hinunter gehn mit mir vor der Burg wohl über dem See? Deine Kinder drunten weinen nach dir, schöne junge Lilofee.

Die Kinder lass uns teilen vor der Burg wohl über dem See, nehm' ich mir drei, nimmst du dir drei, ich arme junge Lilofee.

Das siebte lass uns teilen vor der Burg wohl über dem See, nehm' ich mir ein Bein, nimmst du dir ein Bein, du schöne junge Lilofee.

Eh, dass ich die Kinder teilen lass vor der Burg wohl über dem See, scheid' ich von Laub und grünem Gras, ich arme junge Lilofee.













Montag, 18. Januar 2016

Der Frosch, die Ratte und die Weihe ⋅ Fabel von Aesop


Ein Frosch stritt mit einer Ratte um einen Sumpf. Der Frosch behauptete, dass er das Gewässer mit dem größten Rechte besitze; die Ratte hingegen, dass der Sumpf ihr gehöre und dass der Frosch ihr denselben abtreten müsse. Dieser wollte aber nichts davon hören, und so gerieten sie bei diesem Streit hart aneinander. 

Um wie viel besser hätten sie getan, wenn sie sich verglichen hätten; denn in der Hitze des Streites hatten sie nicht auf die Weihe geachtet, welche in der Ferne gelauert hatte und nun über die Kämpfer herfiel und beide zerriss. 

Lehre:
Wenn sich zwei Schwache zanken, so endigt oft ein dritter, Mächtigerer, zu seinem Vorteil den Streit.






Donnerstag, 14. Januar 2016

Farbenphänomene ⋅ Grün ⋅ Johann Wolfgang Goethe


Wenn man Gelb und Blau, welche wir als die ersten und einfachsten Farben ansehen, gleich bei ihrem ersten Erscheinen, auf der ersten Stufe ihrer Wirkung zusammenbringt, so entsteht diejenige Farbe, welche wir Grün nennen. 

Unser Auge findet in derselben eine reale Befriedigung. Wenn beide Mutterfarben sich in der Mischung genau das Gleichgewicht halten, dergestalt, dass keine vor der anderen bemerklich ist, so ruht das Auge und das Gemüt auf diesem Gemischten wie auf einem Einfachen. Man will nicht weiter und man kann nicht weiter. Deswegen für Zimmer, in denen man sich immer befindet, die grüne Farbe zur Tapete meist gewählt wird. 








Mittwoch, 13. Januar 2016

Wer oder was ist das? ⋅ Ein Tal ist voll davon und auch ein Land!


Ein Tal ist voll davon und auch 
ein Land kann voll davon sein! 
Am Ende aber ist es keine Handvoll mehr!



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Dienstag, 12. Januar 2016

Die Bremer Stadtmusikanten ⋅ Märchen ⋅ Brüder Grimm

Es hatte ein Mann einen Esel, der schon lange Jahre die Säcke unverdrossen zur Mühle getragen hatte, dessen Kräfte aber nun zu Ende gingen, so dass er zur Arbeit immer untauglicher ward. Da dachte der Herr daran, ihn aus dem Futter zu schaffen. Der Esel aber merkte, dass kein guter Wind wehte, lief fort und machte sich auf den Weg nach Bremen. Dort, so meinte er, könnte er ja Stadtmusikant werden. Als er ein Weilchen fortgegangen war, fand er einen Jagdhund auf dem Wege liegen, der jappte wie einer, der sich müde gelaufen hat. »Nun, was jappst du so, Packan?«, fragte der Esel. »Ach«, sagte der Hund, »weil ich alt bin und jeden Tag schwächer werde, auch auf der Jagd nicht mehr fort kann, hat mich mein Herr wollen totschlagen, da hab ich Reißaus genommen; aber womit soll ich nun mein Brot verdienen?« »Weißt du was«, sprach der Esel, »ich gehe nach Bremen und werde dort Stadtmusikant, geh mit und laß dich auch bei der Musik annehmen. Ich spiele die Laute, und du schlägst die Pauken.« Der Hund war damit zufrieden und sie gingen weiter. Es dauerte nicht lange, so saß da eine Katze an dem Weg und machte ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter. »Nun, was ist dir in die Quere gekommen, alter Bartputzer?« sprach der Esel. »Wer kann da lustig sein, wenn es einem an den Kragen geht«, antwortete die Katze, »weil ich nun zu Jahren komme, meine Zähne stumpf werden und ich lieber hinter dem Ofen sitze als nach Mäusen herumzujagen, hat mich meine Herrin ersäufen wollen; ich habe mich zwar noch fortgemacht, aber nun ist guter Rat teuer denn wo soll ich hin?« »Geh mit uns nach Bremen, du verstehst dich doch auf die Nachtmusik, da kannst du ein Stadtmusikant werden.« Die Katze hielt das für gut und ging mit. Darauf kamen die drei Landesflüchtigen an einem Hof vorbei, da saß auf dem Tor der Haushahn und schrie aus Leibeskräften. »Du schreist einem durch Mark und Bein«, sprach der Esel, »was hast du vor?« »Da hab ich gut Wetter prophezeit«, sprach der Hahn, »weil unserer lieben Frauen Tag ist, wo sie dem Kindlein die Hemdchen gewaschen hat und sie trocknen will. Weil aber morgen zum Sonntag Gäste kommen, so hat die Hausfrau doch kein Erbarmen und hat der Köchin gesagt, sie wolle mich morgen in der Suppe essen und da soll ich mir heute abend den Kopf abschneiden lassen. Nun schrei ich aus vollem Hals, solange ich noch kann.« »Ei was, du Rotkopf«, sagte der Esel, »zieh lieber mit uns fort, wir gehen nach Bremen, etwas Besseres als den Tod findest du überall. Du hast eine gute Stimme und wenn wir zusammen musizieren, so muss es eine Art haben.« Der Hahn ließ sich den Vorschlag gefallen, und sie gingen alle viere zusammen fort. 

Sie konnten aber die Stadt Bremen in einem Tag nicht erreichen und kamen abends in einen Wald, wo sie übernachten wollten. Der Esel und der Hund legten sich unter einen großen Baum, die Katze und der Hahn machten sich in die Äste, der Hahn aber flog bis in die Spitze, wo es am sichersten für ihn war. Ehe er einschlief, sah er sich noch einmal nach allen vier Winden um, da däuchte ihn, er sähe in der Ferne ein Fünkchen brennen, und rief seinen Gesellen zu, es müsste nicht gar weit ein Haus sein, denn es scheine ein Licht. Sprach der Esel: »So müssen wir uns aufmachen und noch hingehen, denn hier ist die Herberge schlecht.« Der Hund meinte, ein paar Knochen und etwas Fleisch dran täten ihm auch gut. Also machten sie sich auf den Weg nach der Gegend, wo das Licht war und sahen es bald heller schimmern und es ward immer größer, bis sie vor ein hell erleuchtetes Räuberhaus kamen. Der Esel, als der größte, näherte sich dem Fenster und schaute hinein. »Was siehst du, Grauschimmel?« fragte der Hahn. »Was ich sehe?« antwortete der Esel: »Einen gedeckten Tisch mit schönem Essen und Trinken und Räuber sitzen daran und lassen es sich wohl sein.« »Das wäre was für uns«, sprach der Hahn. »Ja, ja, ach, wären wir da!« sagte der Esel. Da beratschlagten die Tiere, wie sie es anfangen müßten, um die Räuber hinaus zu jagen und fanden endlich ein Mittel. Der Esel mußte sich mit den Vorderfüßen auf das Fenster stellen, der Hund auf des Esels Rücken springen, die Katze auf den Hund klettern und endlich flog der Hahn hinauf und setzte sich der Katze auf den Kopf. Wie das geschehen war, fingen sie auf ein Zeichen allesamt an, ihre Musik zu machen: Der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute, und der Hahn krähte. Dann stürzten sie durch das Fenster in die Stube hinein, dass die Scheiben klirrten. Die Räuber fuhren bei dem entsetzlichen Geschrei in die Höhe, meinten nicht anders, als ein Gespenst käme herein, und flohen in größter Furcht in den Wald hinaus. Nun setzten sich die vier Gesellen an den Tisch, nahmen mit dem vorlieb, was übriggeblieben war und aßen, als wenn sie vier Wochen hungern sollten. 

Wie die vier Spielleute fertig waren, löschten sie das Licht aus und suchten sich eine Schlafstätte, jeder nach seiner Natur und Bequemlichkeit. Der Esel legte sich auf den Mist, der Hund hinter die Türe, die Katze auf den Herd bei die warme Asche, und der Hahn setzte sich auf den Hahnenbalken; und weil sie müde waren von ihrem langen Weg, schliefen sie auch bald ein. Als Mitternacht vorbei war und die Räuber von weitem sahen, dass kein Licht mehr im Haus brannte, auch alles ruhig schien, sprach der Hauptmann: »Wir hätten uns doch nicht sollen ins Bockshorn jagen lassen« und hieß einen von ihnen hingehen und das Haus untersuchen. Der Abgesandte fand alles still, ging in die Küche ein Licht anzuzünden und weil er die glühenden, feurigen Augen der Katze für lebendige Kohlen ansah, hielt er ein Schwefelhölzchen daran, dass es Feuer fangen sollte. Aber die Katze verstand keinen Spaß, sprang ihm ins Gesicht, spie und kratzte. Da erschrak er gewaltig, lief und wollte zur Hintertüre hinaus, aber der Hund, der da lag, sprang auf, biss ihn ins Bein und als er über den Hof an dem Miste vorbeirannte, gab ihm der Esel noch einen tüchtigen Schlag mit dem Hinterfuß. Der Hahn aber, der vom Lärmen aus dem Schlaf geweckt und munter geworden war, rief vom Balken herab: »Kikeriki!« Da lief der Räuber, was er konnte, zu seinem Hauptmann zurück und sprach: »Ach, in dem Haus sitzt eine gräuliche Hexe, die hat mich angehaucht und mit ihren langen Fingern mir das Gesicht zerkratzt, vor der Türe steht ein Mann mit einem Messer, der hat mich ins Bein gestochen und auf dem Hof liegt ein schwarzes Ungeheuer, das hat mit einer Holzkeule auf mich los geschlagen. Oben auf dem Dache aber, da sitzt der Richter, der rief: "Bringt mir den Schelm her." Da machte ich, dass ich fort kam.« Von nun an getrauten sich die Räuber nicht weiter in das Haus, den vier Bremer Musikanten gefiel es aber so wohl darin, dass sie nicht wieder heraus wollten.







Montag, 11. Januar 2016

Der Fuchs und der Storch ⋅ Goldene Regel ⋅ Fabel von Aesop


Ein Fuchs hatte einen Storch zu Gast gebeten, und setzte die leckersten Speisen vor, aber nur auf ganz flachen Schüsseln, aus denen der Storch mit seinem langen Schnabel nichts fressen konnte. Gierig fraß der Fuchs alles allein, obgleich er den Storch unaufhörlich bat, es sich doch schmecken zu lassen. 

Der Storch fand sich betrogen, blieb aber heiter, lobte außerordentlich die Bewirtung und bat seinen Freund auf den andern Tag zu Gast. Der Fuchs mochte wohl ahnen, dass der Storch sich rächen wollte, und wies die Einladung ab. Der Storch ließ aber nicht nach, ihn zu bitten, und der Fuchs willigte endlich ein. 

Als der Fuchs nun anderen Tages zum Storch kam, fand er alle möglichen Leckerbissen aufgetischt, aber nur in langhalsigen Geschirren. "Folge meinem Beispiele", rief ihm der Storch zu, "tue, als wenn du zu Hause wärest." Und er schlürfte mit seinem Schnabel ebenfalls alles allein, während der Fuchs zu seinem größten Ärger nur das Äußere der Geschirre belecken konnte und nur das Riechen hatte. 

Hungrig stand er vom Tisch auf und gestand zu, dass ihn der Storch für seinen Mutwillen hinlänglich gestraft habe. 

Lehre:
Was du nicht willst, dass man dir tu', das füg' auch keinem anderen zu.







Sonntag, 10. Januar 2016

Die Lehre des Schmetterlings ⋅ Glück ⋅ Aphorismus



(Meister)
„Das Glück ist manchmal wie ein Schmetterling. Jage ihm nach, und er entwischt dir. Setze dich still hin, und er setzt sich auf deine Schulter.“ 

(Schüler)
„Was soll ich also tun, um das Glück zu erlangen?“ 

(Meister)
„Hör auf, hinter ihm her zu sein!“ 

(Schüler)
„Aber gibt es wirklich nichts, was ich tun kann?“ 

(Meister)
„Du könntest versuchen, dich ruhig hinzusetzen, wenn du es wagst!“ 









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