Nibelungen Sage 1/28 | Wie Siegfried sein Schwert schmiedete | Aventin Blog

Sonntag, 28. Juni 2015

Nibelungen Sage 1/28 | Wie Siegfried sein Schwert schmiedete


Vor Zeiten erhob sich zu Xanten am Niederrhein eine starke Burg mit festen Ringmauern und trutzigen Türmen. Dort herrschten über die Niederlande König Siegmund und Königin Sieglinde, und dort wuchs, blühend vor Jugend und Kraft, Jung-Siegfried, ihr Sohn heran. Die Eltern hüteten ihn als ihren Stolz, aber schon früh stand sein Sinn nach Taten und Abenteuern draußen in der Welt. Als er eben dem Knabenalter entwachsen war, hielt es ihn nicht mehr daheim hinter den engen Mauern, und Tag für Tag bestürmte er den Vater, ihn ziehen zu lassen. Der gab endlich dem ungestümen Drängen nach, und jubelnd nahm Siegfried Abschied von den Seinen.

Wie er nun seines Weges dahin wanderte, der lockenden blauen Ferne entgegen, sprengten Ritter in reisiger Wehr, mit Lanzen und blitzenden Schwertern, an ihm vorüber. Da strahlten seine Augen, und mit festem Griff umschloss er den Stecken, den er in der Hand trug. Was gab es Herrlicheres in der Welt als ritterliche Wehr und Waffen!

Gegen Abend kam er in einen Wald, und da lag dicht am Wege eine Schmiede. Roter Feuerschein sprang um die dunklen Stämme, und hell erklang weithin der Schlag der Hämmer. Im rußigen Schurzfell stand der Meister am Amboß und ließ die Funken aus weißglühendem Eisen sprühen. Geschäftig werkten die Gesellen am Blasebalg.

Siegfried trat heran und bot seinen Gruß, und klopfenden Herzens fügte er hinzu: "Nehmt mich als Lehrling an, Meister, und lehrt mich die Kunst, tüchtige und scharfe Schwerter zu schmieden!" In der Kraft seiner Jugend stand er vor dem Schmied, und der nickte ohne Zögern Gewähr: "Nur heran, junger Mann! Starke und geschickte Arme gibt es in einer Schmiede nie genug." 

So blieb Siegfried im Walde bei Meister Mime und seinen schwarzen Gesellen. Er lernte die Glut in der Esse schüren und das Eisen mit wuchtigen Hammerschlägen strecken. Und eines Morgens in aller Frühe trat er an den Amboß, um sich ein ritterliches Schwert zu schmieden. So gewaltig schlug er mit dem schwersten Hammer zu, dass das rote Eisen in Stücke sprang und der Amboß tief in den Grund fuhr. Aber aus der letzten Eisenstange wurde ein Schwert, lang und breit und mit scharfer Schneide. Das reckte er hoch empor: "Nun bin ich ein Ritter wie die Mannen meines Vaters, die zu Kampf und Sieg ausziehen!"







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