Aventin Blog: Juli 2015

Mittwoch, 29. Juli 2015

Nach welchem Prinzip sind die Zahlen geordnet? • Rätsel


Obige Zahlen in einer
anderen Reihenfolge:

8 3 1 5 9 0 6 7 4 2 

Nach welchem Prinzip 
sind diese Zahlen hier geordnet?



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Dienstag, 28. Juli 2015

Der Affe im Wasser • Fabel & Gedicht von Karl Wilhelm Ramler


Ein Affe, welcher in Gefahr
im Meere zu ertrinken war,
rief kläglich mit gebrochnem Flehn:
"Neptun, lass mich nicht untergehn.
Ich will auch deinem Dienst mich weihn,
will dir zu Ehren mich kastein,
nicht näschig mehr, nicht bissig sein.
Ach! wär's nicht um mein Leben schade?"
So seufzt er angstvoll, und sogleich
wirft eine Well ihn ans Gestade.
Vergnügt ergreift er das Gesträuch,
das von der Klipp herunterhängt, und spricht:
"Neptun! bemüh dich weiter nicht,
jetzt kann ich mich schon selber retten."
- - -
Man sagt uns nach, 
dass wir auf unsern Krankenbetten
so frommer Affen viele hätten.



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Montag, 27. Juli 2015

Ameisendank • Dankbarkeit und Vergeltung • Fabel Steinhöwel

Eine Ameise, vom Durst geplagt, krabbelte an seinem Rand in einen Brunnen hinab, aber als sie trinken wollte, stürzte sie in das Wasser. Nun stand da über dem Brunnen ein hoher Baum, auf dem eine Taube hockte. Als diese die Ameise auf dem Wasser liegen sah, brach sie mit ihrem Schnabel ein Blatt von dem Baum und warf es in den Brunnen hinab, und die Ameise kletterte hinauf und brachte sich in Sicherheit. 

Als später ein Vogelsteller des Weges kam, und weil er die Taube fangen wollte, steckte er eine Kleberute an eine lange Stange. Als die Ameise das bemerkte, biss sie den Vogelfänger in seinen Fuß. Davon zuckte dieser zusammen und die Stange fiel ihm aus den Händen. Von dem Lärm aber erschrak die Taube und schwang sich sogleich von dem Baum in die Lüfte, und da war sie nun auch vom Tode errettet.

Was die Taube an der Ameise getan hat, das wird ihr mit Gleichem vergolten. Wenn die Tiere sich für empfangene Wohltat dankbar erweisen, um wie viel mehr sollten es die vernünftigen Menschen sein und das Gute mit Gutem zu vergelten lernen. 



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Freitag, 24. Juli 2015

Schwarz und Weiß • Aus dem Alltag einer Stewardess

Folgendes geschah bei einer bekannten Fluglinie. Eine etwa 50-jährige weiße Frau kam zu ihrem Sitz und sah, dass der Passagier neben ihr ein schwarzer Mann war. Sichtlich wütend, rief sie die Stewardess. "Was ist das Problem? Kann ich ihnen weiterhelfen?" fragte diese die Dame. "Sehen Sie das nicht?" antwortete die Frau - "ich habe einen Platz neben einem schwarzen Mann bekommen. Ich kann und möchte nicht neben ihm sitzen. Bitte geben sie mir einen anderen Platz!" 

"Bitte, beruhigen Sie sich" - sagte daraufhin die Stewardess. "Leider sind alle Sitzplätze besetzt, aber ich werde noch mal nachschauen, ob wir vielleicht noch einen anderen haben." 

Die Flugbegleiterin ging weg und kam einige Minuten später wieder. "Madam, wie ich Ihnen bereits sagte, es gibt keinen freien Platz mehr in dieser Economy-Class. Jedoch sprach ich mit dem Kapitän und der sagte mir, dass es zwar keine freien Plätze mehr in der normalen Economy-Class gibt, aber durchaus noch in der ersten Klasse! 

Und noch bevor die Dame antworten konnte, fuhr die Stewardess mit ihrer Erläuterung fort. "Schauen Sie, es ist durchaus ungewöhnlich für unsere Fluglinie, Passagiere im Nachhinein von der Economy-Class in die erste Klasse umzubuchen. Doch angesichts der Umstände, und so denkt auch der Flugkapitän, wäre es eine Zumutung, während des ganzen Fluges neben einer solch unangenehmen Person sitzen zu müssen."

Dabei wandte sich die Stewardess an den schwarzen Mann und sagte: "Das bedeutet, Sir, wenn sie so nett wären Ihr Handgepäck zu nehmen, dass wir für sie einen Platz in der ersten Klasse reserviert haben ...!"

Die übrigen Passagiere, die die Szene zunächst schockiert mit verfolgt hatten, begannen nun zu applaudieren und einige standen dabei sogar auf.


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Donnerstag, 23. Juli 2015

Vom Fluss lernen, dass es keine Zeit gibt • Hermann Hesse

Freundlich lebte Siddhartha neben Vasudeva, und zuweilen tauschten sie Worte. Vasudeva war kein Freund der Worte, selten gelang es Siddhartha, ihn zum Sprechen zu bewegen. "Hast du" so fragte er ihn einst, "hast auch du vom Flusse jenes Geheime gelernt: dass es keine Zeit gibt?" Vasudevas Gesicht überzog sich mit hellem Lächeln. "Ja, Siddhartha", sprach er. "Es ist doch dieses, was du meinst: dass der Fluss überall zugleich ist, am Ursprung und an der Mündung, am Wasserfall, an der Fähre, an der Stromschnelle, im Meer, im Gebirge, überall, zugleich, und dass es für ihn nur Gegenwart gibt, nicht den Schatten Zukunft?" "Dies ist es", sagte Siddhartha. "Und als ich es gelernt hatte, das sah ich mein Leben an, und es war auch ein Fluss, und es war der Knabe Siddhartha vom Manne Siddhartha und vom Greis Siddhartha nur durch Schatten getrennt, nicht durch Wirkliches. Es waren auch Siddharthas frühere Geburten keine Vergangenheit, und sein Tod und seine Rückkehr zu Brahma keine Zukunft. Nichts war, nichts wird sein; alles ist, alles hat Wesen und Gegenwart."


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Mittwoch, 22. Juli 2015

Wie viel Meter Zaun wird für das Grundstück benötigt? • Rätsel




Ein quadratisches Grundstück ist mit 
120 Metern Holzzaun umschlossen.


Wie viel Meter Zaun braucht man, 
um ein viermal so großes, ebenfalls 
quadratisches Grundstück zu umzäunen?





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Dienstag, 21. Juli 2015

Die durstige Krähe • Fabel von Heinrich Steinhöwel



Eine durstige Krähe fand einen Wasserkrug; doch war nur so wenig Wasser darin, dass sie es mit ihrem Schnabel nicht zu erreichen vermochte. Sie versuchte, den Krug umzuwerfen; aber dazu war sie zu schwach. 

Da suchte sie nach einer List, wie sie es dahin brächte, dass sie dennoch aus dem Kruge trinken möchte. Zuletzt nahm sie kleine Steinchen und warf deren so viele in den Krug, dass das Wasser immer höher emporstieg, bis sie es endlich erreichen und ihren Durst löschen konnte.


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Montag, 20. Juli 2015

Die Henne und die Schwalbe • Fabel von Aesop



Eine Henne fand durch Zufall Schlangeneier und legte sie mit dem größten Entzücken und besonderer Sorgfalt in die gehörige Ordnung, um sie auszubrüten. Schon stellte sie sich die Freude vor, welche sie an ihren Kücken haben würde, wenn sie anfingen zu gehen, wenn sie ihnen das Futter aufscharrte und zeigte, wenn sie auf ihr Rufen herbeieilten und picken lernten, und wenn sie endlich groß, stark, schön und folgsam geworden wären. 

Jedoch ihre Freude währte nicht lange; eine Schwalbe traf sie über dieser Beschäftigung an und belehrte sie eines Bessern: "Du Törin", sagte sie, "du würdest dir eine Brut erziehen, welche dir die Mühe nur mit dem Tod lohnen würde!" 


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Freitag, 17. Juli 2015

Die vier Weltalter • Metamorphosen von Ovid



Und es entstand die erste, die goldene Zeit: ohne Rächer, ohne Gesetz, von selber bewahrte man Treue und Anstand. Strafe und Angst waren fern; kein Text von drohenden Worten stand an den Wänden auf Tafeln von Erz; es fürchtete keine flehende Schar ihren Richter: man war ohne Rächer gesichert. Fichten fällte man nicht, um die Stämme hernieder von ihren Höhn in die Meere zu rollen, nach fremden Ländern zu fahren; außer den ihrigen kannten die Sterblichen keine Gestade. Keinerlei steil abschüssige Gräben umzogen die Städte; keine geraden Posaunen, nicht eherne Hörner, gekrümmte, gab es, nicht Helme noch Schwert, des Soldaten bedurften die Völker nicht: sie lebten dahin sorglos in behaglicher Ruhe. Selbst die Erde, vom Dienste befreit, nicht berührt von der Hacke, unverwundet vom Pflug, so gewährte sie jegliche Gabe, und die Menschen, zufrieden mit zwanglos gewachsenen Speisen, sammelten Früchte des Erdbeerbaums, Erdbeeren der Berge, Kornelkirschen, in stachligen Brombeersträuchern die Früchte und die Eicheln, die Jupiters Baum, der breite, gespendet. Ewiger Frühling herrschte, mit lauem und freundlichem Wehen fächelten Zephyrlüfte die Blumen, die niemand gesäet. Ja, bald brachte die Erde, von niemand bepflügt, das Getreide: ungewendet erglänzte das Feld von gewichtigen Ähren. Hier gab's Ströme von Milch, dort ergossen sich Ströme von Nektar, und es troff von der grünenden Eiche der gelbliche Honig.

Aber nachdem man Saturn in des Tartarus Dunkel geworfen, und die Welt unter Jupiter stand, erschien ein Geschlecht von Silber, geringer als jenes von Gold, wertvoller als Bronze. Jupiter kürzte den einstigen Frühling: durch Winter und heiße Sommer, durch wetterwendische Herbste und einen gar kurzen Frühling ließ er das Jahr in vier Perioden verlaufen. Damals erglühte die Luft in trockener Hitze zum ersten Mal, und es hingen Zapfen von Eis, von den Winden gefroren; jetzt erst suchte man Obdach: die Häuser bestanden aus Höhlen, auch aus dichtem Gesträuch und aus Ruten, von Rinde umkleidet; Jetzt erst warf man die Samen der Ceres in längliche Furchen, und es stöhnten die Stiere, die jungen, vom Joche geknechtet. 

Drittens folgte auf dieses sodann ein ehern Geschlecht nach, grimmiger schon im Gemüt, zu den schaurigen Waffen bereiter, aber noch ohne Verbrechen. Das letzte Geschlecht ist von hartem Eisen. Da brachen sogleich in die Zeit des geringern Metalles jegliche Frevel; es flohen die Scham, die Wahrheit, die Treue. Dafür erwuchsen die Laster: Betrug und allerlei Ränke, Hinterlist und Gewalt und die frevle Begier nach Besitztum. Segel bot man den Winden - noch kannte der Schiffer sie wenig -, und die Kiele, die lang in den hohen Gebirgen gestanden, munter tanzten sie jetzt auf unbekannten Gewässern; und der Boden, der früher Gemeingut war wie die Lüfte und wie das Licht, jetzt ward er genau mit Grenzen bezeichnet. Nicht nur Saaten verlangte der Mensch von dem üppigen Boden, Nahrung, die zu gewähren er schuldete, nein, in der Erde Tiefen drang man, die Schätze zu graben, Lockmittel des Bösen, die sie im Innern verwahrte, zunächst bei den stygischen Schatten. Schon ist das schädliche Eisen erschienen und, schlimmer als Eisen, Gold; nun erscheint auch der Krieg: er kämpft ja mit beiden Metallen, und er schüttelt mit blutiger Hand die klirrenden Waffen. Also lebt man vom Raub: nicht trauen sich Wirte und Gäste, nicht der Schwäher dem Eidam, auch Bruderliebe ist selten. Gatte und Gattin, sie trachten nach wechselseitigem Morde; für Stiefkinder mischen die Mütter entsetzliche Gifte; frühe erforscht der Sohn die Todesstunde des Vaters; Ehrfurcht und Rechtlichkeit liegen zertreten; Astraea, die Jungfrau, hat, die letzte der Götter, die blutige Erde verlassen.


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Donnerstag, 16. Juli 2015

Die Kunst über kein Thema zu schreiben • Novelle von Emmrich

Die Kunst des Feuilletons besteht nicht darin, über ein Thema zu schreiben, sondern über kein Thema zu schreiben. Statt des Themas gibt es einen Anlass. Anlass kann jeder Hosenknopf sein.

Wenn man den Knopf als Exempel nimmt, will man damit sagen, dass der Knopf etwas von Natur Unbedeutendes sei. Es kommt also darauf an, dem Unbedeutenden Bedeutung zu geben. Damit nun niemand sage, wir drückten uns vor unseren eigenen Maximen, wollen wir bei diesem Anlass bleiben. Schreiben wir über den Knopf.

Sowie wir sein bescheidenes Rund ins Auge fassen, entdecken wir, welch bedeutsame Rolle dieser unbeachtete Gegenstand in unserem Leben spielt. Jeden Morgen durchschneidet prächtig und großartig die Scheibe der Sonne den Horizont. Mit genau derselben Regelmäßigkeit, mit welcher allmorgendlich die erhabene Scheibe der Sonne den Horizont durchschneidet, mit genau derselben Regelmäßigkeit durchschneidet allmorgendlich die bescheidene Scheibe des Hosenknopfs das Knopfloch. Zwischen der Sonne und dem Himmel besteht das gleiche Verhältnis der Angemessenheit wie zwischen dem Knopf und seinem Loch. Ja, wenn die Sonne, von Wolken verhangen, nicht in unseren Morgen tritt, so ändert das wenig an unseres Tages Lauf. Wenn aber der Hosenknopf sein Knopfloch verfehlt, ist unsere menschliche Würde in Gefahr.

Wie blind waren wir bisher, einen Gegenstand geringzuachten, von dessen Wohlverhalten die Würde unserer Person abhängig ist. 

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Mittwoch, 15. Juli 2015

Neue Filmkomödie aus Hollywood • Knobelaufgabe • Rätsel


In einer neuen Hollywood Filmkomödie kann man folgende Personen beobachten. Fünf Gangster, die von 8 Polizisten verfolgt werden, weil sie das Bild der 12 Aposteln gestohlen haben. Ein afrikanischer Busfahrer, der mit 26 Schülern zu den sieben Weltwundern fährt. Sechs Räuber, die in den fünfundzwanzigsten Stock eines Hochhauses einbrechen, um 9 wertvolle Gemälde zu stehlen. Ein Obdachloser, dem die 5 Sinne fehlen und der an der Leine 4 Hunde spazieren führt. 3 Pfadfinder, die an 6 Wochentagen 12 gute Taten vollbringen. Sowie ein Kapitän, der mit seiner 83 Mann starken Besatzung in alle vier Himmelsrichtungen fährt.

Wie viele Schauspieler spielen bei diesem Kinofilm mit?



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Dienstag, 14. Juli 2015

Die beiden Enten und der Frosch • Gedicht von Wilhelm Busch


Sieh da, zwei Enten jung und schön,
die wollen an den Teich hingehn.
Zum Teiche gehn sie munter
und tauchen die Köpfe unter.

Die eine in der Goschen
trägt einen grünen Froschen.
Sie denkt allein ihn zu verschlingen,
das soll ihr aber nicht gelingen.

Die Ente und der Enterich,
die ziehn den Frosch ganz fürchterlich.
Sie ziehn ihn in die Quere,
das tut ihm weh gar sehre.

Der Frosch kämpft tapfer wie ein Mann.
Ob das ihm wohl was helfen kann?
Schon hat die eine ihn beim Kopf,
die andre hält ihr zu den Kropf.

Die beiden Enten raufen,
da hat der Frosch gut laufen.
Die Enten haben sich besunnen
und suchen den Frosch im Brunnen.

Sie suchen ihn im Wasserrohr,
der Frosch springt aber schnell hervor.
Die Enten mit Geschnatter
stecken die Köpfe durchs Gatter.

Der Frosch ist fort - die Enten,
wenn die nur auch fort könnten!
Da kommt der Koch herbei sogleich,
und lacht: "He, jetzt hab' ich euch!"

Drei Wochen war der Frosch so krank!
Jetzt raucht er wieder, Gott sei Dank!



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Montag, 13. Juli 2015

Die Schwalbe und die anderen Vögel • Fabel von Aesop

Ein Vogel, welcher glaubte, dass er die Denk- und Handlungsweise der Menschen genau kenne, versammelte eines Tages eine Menge Vögel um sich und sprach zu ihnen: "Die Menschen säen den Hanf in keiner andern Absicht, als um Schlingen daraus zu machen und uns einzufangen. Daher ist es unsere Pflicht, diesen Samen beizeiten auszurotten." Die Schwalbe, die auch zugegen war, entgegnete, dass sie es für weit besser halte, die Freundschaft der Menschen zu suchen. Als ihr Rat keine Zustimmung fand, verließ sie ihre Waldgenossen, flog in die Stadt und vertilgte dort die schädlichen Insekten. Die Menschen sahen bald ihre Nützlichkeit ein und ließen sie ungestört ihr Nest an den Häusern bauen. Die anderen Vögel schadeten den Menschen, wo sie nur konnten, und wurden allerdings auch stark und oft fett dabei. Aber es reifte auch der Hanf und der wurde zu Schlingen verarbeitet, mit denen täglich eine Menge Vögel gefangen wurde, welche mit den Menschen hätten in Ruhe und Freundschaft leben können. 

Besser ist es in Harmonie und Frieden zu leben und nützlicher Tätigkeit, als Wohlleben auf unrechtem Weg mit Gefahr.


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Freitag, 10. Juli 2015

Vom Chaos zum Kosmos • Metamorphosen von Ovid

Ehe das Meer und die Erde bestand und der Himmel, der alles deckt, da besaß die Natur im All nur ein einziges Antlitz, Chaos genannt, eine rohe und ungegliederte Masse, nichts als träges Gewicht, und geballt am nämlichen Orte disharmonierende Samen nur lose vereinigter Dinge. Titan gab es noch nicht, die Welt mit Licht zu erhellen, Phoebe bewirkte noch nicht, dass die Sichel des Mondes sich dehnte, noch nicht schwebte die Erde in Lüften, die rings sich ergossen, hängend im eigenen gleichen Gewichte; nicht streckte die Arme Amphitrite am weit sich dehnenden Saume der Länder. Zwar war Erde daselbst vorhanden und Heer und auch Lufthauch, aber die Erde gewährte nicht Stand, das Wasser kein Schwimmen, lichtlos waren die Lüfte. Es schwankten die Formen der Dinge, eines hemmte das andre, in ein und dem nämlichen Körper kämpften das Kalte und Warme, es rangen das Trockne und Feuchte, Weiches stritt mit dem Harten, was ohne Gewicht, mit dem Schweren. 

Aber es gab eine Schlichtung des Streites: ein Gott, eine bessre Kraft der Natur schied Himmel und Erde und Erde und Wasser, und er trennte den heiteren Himmel vom dickeren Luftdunst. Als er nun alles entwirrt, aus der finsteren Masse entnommen, band er das örtlich Getrennte zusammen in friedlicher Eintracht; und so schnellte die leichte, die feurige Kraft des gewölbten Himmels empor und gewann sich den Platz in der obersten Höhe. Ihr zunächst ist die Luft an Leichtigkeit wie auch im Raume; dichter als sie ist die Erde, die größere Stoffe herbeizog, durch ihre Schwere zusammengepresst; die umfließende Feuchte nahm den Rand in Besitz und umschloss den festeren Erdkreis. 

Als so der Gott, wer immer es war, die Materie geordnet, so sie zerteilt und die Teile zu wirklichen Gliedern gestaltet, ballte er gleich zu Beginn die Erde, damit sie auf jeder Seite sich gänzlich gleiche, zur Form einer riesigen Kugel. Alsdann ließ er die Meere sich breiten; in reißenden Stürmen sollten sie schwellen und rings die Gestade der Erde umgürten. Quellen gesellte er bei, unermessliche Teiche und Seen; mit sich krümmenden Ufern umzog er die Flüsse, die hierhin abwärts rinnen und dorthin; die einen verschwinden im Boden, andre gelangen ins Meer: in freierem Laufe durchströmen sie die Ebne, statt Ufer umzieht sie Küstengelände. Felder ließ er sich dehnen und Täler hernieder sich senken, Wälder sich decken mit Laub und steinige Berge sich heben. Und wie den Himmel zwei Zonen zur Rechten und ebensoviele Links durchschneiden - die fünfte jedoch ist heißer als alle -, so zerteilte der sorgliche Gott die umschlossene Kugel nach den nämlichen Zahlen: es decken fünf Zonen die Erde. Wo sich die mittlere dehnt, da verwehrt es die Hitze zu wohnen; zwei deckt tiefer Schnee; zwei hat er dazwischen geschoben und ihnen Milde verliehn: mit Kälte vermischte er Wärme. 

Luft ist darüber gebreitet; so viel ist sie schwerer als Feuer, als des Wassers Gewicht nachsteht dem Gewichte der Erde. Nebel ließ es daselbst, dort ließ er Wolken sich sammeln, auch die Donner, bestimmt, auf menschliche Herzen zu wirken, und die Winde, die Wetterleuchten erzeugen und Blitze. Doch auch den Winden verwehrte der Weltenschöpfer zu hausen, wo in den Lüften sie wollten; noch jetzt ist es schwer, sie zu zähmen, wenn sie auch, jeder für sich, in den eigenen Zonen sich tummeln, dass sie die Welt nicht zerreißen: so groß ist die Zwietracht der Brüder. Eurus wich zu Aurora zurück, nach dem Reich Nabataea und nach Persien, hinweg zu den Höhn, die im Morgenglanz leuchten; doch dich Gestade, die milde durchsonnt sind von Strahlen des Abends, liegen dem Zephyr am nächsten; ins Land der Scythen, gegen Norden, brauste der schaurige Boreas, aber das Land gegenüber wird vom Auster mit Regen und dauernden Wolken befeuchtet. Über das alles legt er den flüssigen Äther, der jeder Schwere ermangelt und frei ist von jeglichem irdischen Unrat.

Kaum hat er alles durch feste Begrenzung umhagt und geschieden, als die Gestirne, die lang in der Masse gepresst und verborgen waren, allüberall jetzt am Himmel zu leuchten begannen. Auf dass keine der Zonen der lebenden Wesen ermangle, sollten die Sterne, Gestalten von Göttern, den Himmel bevölkern. Glänzenden Fischen gewährten die Wasser die Wohnung, die Erde bot den Tieren das Heim, die beweglichen Lüfte den Vögeln. 

Aber ein reineres Wesen, Gefäß eines höheren Geistes, über die andern zu herrschen befähigt, es fehlte noch immer. Und es entstand der Mensch, sei es, dass ihn aus göttlichem Samen jener Meister erschuf, der Gestalter der besseren Weltform, sei es dass die Erde, die jugendfrische, erst kürzlich vom hohen Äther geschieden, die Samen, die himmelsverwandten, bewahrte. Denn sie mischte des Iapetus Sohn mit dem Wasser des Regens, formte sie dann nach dem Bild der alles regierenden Götter. Während die anderen Wesen gebückt zur Erde sich neigen, ließ er den Menschen das Haupt hochtragen: er sollte den Himmel sehen und aufgerichtet den Blick nach den Sternen erheben. Also war nun die Erde verwandelt: soeben noch formlos roh, ward sie jetzt geschmückt mit den Menschengestalten, den neuen. (Ovid)



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Mittwoch, 8. Juli 2015

Wie viele Bäume braucht man für eine 30 Meter lange Allee?


Eine 30 Meter lange Zufahrtsstraße 
soll beidseitig mit Birken neu bepflanzt werden. 
Die Bäume stehen in einem Abstand von 1 m. 
Wie viele junge Birken werden gebraucht?



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Dienstag, 7. Juli 2015

Die Jungfrau Lorelei • Sage aus Deutschland • St. Goarshausen

In alten Zeiten ließ sich manchmal auf einem Felsen am Rhein bei Abenddämmerung und Mondschein eine Jungfrau sehen. Sie sang mit so lieblicher Stimme, dass alle davon bezaubert wurden, die es hörten. Viele, die vorüberfuhren, wurden an dem Felsenriff im Strom in die Tiefe gerissen, weil sie auf ihr Fahrzeug nicht mehr achteten. Niemand hatte die Jungfrau aus der Nähe gesehen als einige junge Fischer. Zu ihnen gesellte sie sich bisweilen im letzten Abendrot und zeigte ihnen die Stellen, wo sie ihre Netze auswerfen sollten. Jedesmal, wenn sie dem Rat der Jungfrau folgten, machten sie einen reichlichen Fang. Die Jünglinge erzählten weiter, was ihnen begegnet war, und die Geschichte verbreitete sich bald im ganzen Land.

Der Sohn des Pfalzgrafen, der damals in der Nähe sein Hoflager hatte, hörte auch die wundervolle Mär; es gelüstete ihn, die Jungfrau zu sehen. Er tat, als ob er auf die Jagd gehen wollte, nahm den Weg nach Oberwesel; setzte sich dort in einen Nachen und ließ sich stromabwärts fahren. Die Sonne war eben untergegangen, und die ersten Sterne traten am Himmel hervor, da näherte sich das Fahrzeug der Lorelei. "Seht ihr sie dort, die verwünschte Zauberin?" riefen die Schiffer. Der Jüngling hatte sie aber schon erblickt. Sie saß am Abhang des Felsens, nicht weit vom Strome, und band einen Kranz um ihre goldenen Locken. Jetzt vernahm er auch den Klang ihrer Stimme und war bald seiner Sinne nicht mehr mächtig. Er befahl den Schiffern, am Felsen anzufahren. Aber als er ans Land springen wollte, nahm er den Sprung zu kurz und versank im Strom; die Wogen schlugen schauerlich über ihm zusammen. 

Die Nachricht kam schnell zu den Ohren des Pfalzgrafen. Voll Schmerz und Zorn befahl er seinen Knechten, ihm die Unholdin tot oder lebendig zu bringen. Einer seiner Hauptleute versprach, den Willen des Pfalzgrafen zu vollziehen. Doch bat er sich aus, daß er die Hexe gleich in den Rhein stürzen dürfe, damit sie sich nicht vielleicht durch Zauberkünste wieder aus Kerker und Banden befreie. Der Pfalzgraf war es zufrieden. Nun zog der Hauptmann gegen Abend aus und umstellte mit seinen Reisigen (gewappnete Dienstleute) den Berg. Er selbst nahm drei der beherztesten Männer aus seiner Schar und stieg den Fels hinan. Die Jungfrau saß oben auf der Spitze und hielt eine Schnur von Bernstein in der Hand. Sie sah die Männer kommen und rief ihnen zu, was sie hier suchten. "Dich, Zauberin", antwortete der Hauptmann, "und ich befehle dir, dich sofort in die Fluten hinabzustürzen!" - "Ei", sagte die Jungfrau lachend, "der Rhein mag mich holen!" Bei diesen Worten warf sie die Bernsteinschnur in den Strom hinab und sang mit schauerlichem Ton: "Vater, Vater, geschwind, geschwind, die weißen Rosse schick deinem Kind, es will reiten mit Wogen und Wind!"

Urplötzlich brauste der Strom daher. Der Rhein rauschte, dass weitum Ufer und Höhen mit weißem Gischt bedeckt waren. Zwei Wellen, die fast die Gestalt von zwei weißen Rossen hatten, stiegen mit Blitzesschnelle zur Kuppe des Felsens empor und trugen die Jungfrau hinab in den Strom, wo sie für immer verschwand.



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Montag, 6. Juli 2015

Die weiße Dohle • Verkleidung • Fabel von Aesop

Eine Dohle sah öfters zu, wie reichlich die Tauben auf einem Bauernhof gefüttert wurden. "Sie bekommen das Futter hingestreut", dachte sie neidisch, "während ich es mühsam suchen muss. Ich will lieber eine Taube werden!" Was tat sie nun? Sie bemalte sich weiß vom Kopf bis zum Fuß, glättete ihr Gefieder und mischte sich unter den Taubenschwarm. Vergnügt pickte sie die Körner auf. Die Tauben ließen sie ruhig gewähren, denn keine vermutete, dass dies ein fremder Vogel sei. So ging das einige Tage - bis die Dohle so unklug war, ihren Schnabel aufzutun und ihr Gekrächze hören zu lassen. "Eine Dohle, eine verkleidete Dohle!" schrien die Tauben wütend, stürzten auf sie zu und hätten sie unbarmherzig totgebissen, wenn es ihr nicht gelungen wäre zu entfliehen. Reumütig kehrte die Dohle zu ihrer Sippe zurück. Jedoch die andern Dohlen erkannten sie nicht mehr in ihrem weißen Kleide. Bösartig hackten sie auf den scheinbar fremden Vogel los. Sie duldeten nicht, dass er unter ihnen lebte. 

So wurde die weiße Dohle schließlich heimatlos und hatte es noch viel schwerer, sich ihre Nahrung zu beschaffen.


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Freitag, 3. Juli 2015

Vom Irrtum befangen • Maximen und Reflexionen • Johann Wolfgang von Goethe

Gar oft im Laufe des Lebens, mitten in der größten Sicherheit des Wandels bemerken wir auf einmal, dass wir in einem Irrtum befangen sind, dass wir uns für Personen, für Gegenstände einnehmen ließen, ein Verhältnis zu ihnen erträumten, das dem erwachten Auge sogleich verschwindet; und doch können wir uns nicht losreißen, eine Macht hält uns fest, die uns unbegreiflich scheint. Manchmal jedoch kommen wir zum völligen Bewusstsein und begreifen, dass ein Irrtum so gut als ein Wahres zur Tätigkeit bewegen und antreiben kann. Weil nun die Tat überall entscheidend ist, so kann aus einem tätigen Irrtum etwas Treffliches entstehen, weil die Wirkung jedes Getanen ins Unendliche reicht. So ist das Hervorbringen freilich immer das Beste, aber auch das Zerstören ist nicht ohne glückliche Folge.

Der wunderbarste Irrtum aber ist derjenige, der sich auf uns selbst und unsere Kräfte bezieht: dass wir uns einem würdigen Geschäft, einem ehrsamen Unternehmen widmen, dem wir nicht gewachsen sind, dass wir nach einem Ziel streben, das wir nie erreichen können. Die daraus entspringende tantalisch-sisyphische Qual empfindet jeder nur um desto bitterer, je redlicher er es meinte. Und doch sehr oft, wenn wir uns von dem Beabsichtigten für ewig getrennt sehen, haben wir schon auf unserm Wege irgendein anderes Wünschenswerte gefunden, etwas uns Gemäßes, mit dem uns zu begnügen wir eigentlich geboren sind.


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Donnerstag, 2. Juli 2015

Der kluge Richter • Novelle von Johann Peter Hebel

Ein reicher Mann hatte eine beträchtliche Geldsumme, weIche in ein Tuch eingenäht war, aus Unvorsichtigkeit verloren. Er machte daher seinen Verlust bekannt und bot, wie man zu tun pflegt, dem ehrlichen Finder eine Belohnung, und zwar von hundert Talern, an. Da kam bald ein guter und ehrlicher Mann dahergegangen. „Dein Geld habe ich gefunden. Dies wird's wohl sein! So nimm dein Eigentum zurück!“ So sprach er mit dem Blick eines ehrlichen Mannes und eines guten Gewissens, und das war schön. Der andere machte auch ein fröhliches Gesicht, aber nur, weil er sein verloren geschätztes Geld wieder hatte. Denn wie es um seine Ehrlichkeit aussah, das wird sich bald zeigen. Er zählte das Geld und dachte unterdessen geschwinde nach, wie er den treuen Finder um seine versprochene Belohnung bringen könnte. „Guter Freund“, sprach er hierauf, „es waren eigentlich achthundert Taler in dem Tuch eingenäht. Ich finde aber nur noch siebenhundert Taler. Ihr werdet also eine Naht aufgetrennt und eure hundert Taler Belohnung schon herausgenommen haben. Da habt ihr wohl daran getan. Ich danke euch.“ Das war nicht schön. Aber wir sind auch nicht am Ende. Ehrlich währt am längsten, und Unrecht schlägt seinen eigenen Herrn.

Der ehrliche Finder, dem es weniger um die hundert Taler als um seine unbescholtene Rechtschaffenheit zu tun war, versicherte, dass er das Päcklein so gefunden habe, wie er es bringe, und es so bringe, wie er's gefunden habe. Am Ende kamen sie vor den Richter. Beide bestanden auch hier noch auf ihrer Behauptung, der eine, dass achthundert Taler seien eingenäht gewesen, der andere, dass er von dem Gefundenen nichts genommen und das Päcklein nicht versehrt habe. Da war guter Rat teuer. 

Aber der kluge Richter, der die Ehrlichkeit des einen und die schlechte Gesinnung des anderen zum voraus zu kennen schien, griff die Sache so an: Er ließ sich von beiden über das, was sie aussagten, eine feste und feierliche Versicherung geben und tat hierauf folgenden Ausspruch: „Demnach, wenn der eine von euch achthundert Taler verloren, der andere aber ein Päcklein mit nur siebenhundert Talern gefunden hat, so kann auch das Geld des letzteren nicht das nämliche sein, auf welches der erstere ein Recht hat. Du, ehrlicher Freund, nimmst also das Geld, welches du gefunden hast, wieder zurück und behältst es in guter Verwahrung, bis der kommt, welcher nur siebenhundert Taler verloren hat. Und dir da weiß ich keinen Rat, als du geduldest dich, bis derjenige sich meldet, der deine achthundert Taler findet.“ So sprach der Richter, und dabei blieb es.


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Mittwoch, 1. Juli 2015

Abenddämmerung an der Adria • Gedicht • Izola in Slowenien


Die Sonne gehet nun zur Ruh,
die Dämm'rung deckt sie leise zu,
entschwindet nun im Horizont,
ihr Licht jedoch noch allem inne wohnt.

(Aventine)


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In einem Korb sind Eier • Rätsel • Wann ist der Korb ganz voll?


In einem Korb sind Eier. 
Jede Minute verdoppelt sich die Anzahl der Eier. 
Nach sechs Minuten ist der Korb halb voll. 
Wann ist er ganz voll?



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